Thanksgiving

Thanksgiving

...oder wie meine Seniorin fast erstickte.

Für mehr Fotos aufs Bild klicken!

26. November

Ich bin krank und draußen sind es -2 Grad - also der perfekte Zeitpunkt um einen Blogeintrag zu schreiben. Am 24. November war hier Thanksgiving. Laut Wikipedia "a day of giving thanks for the blessing of the harvest and of the preceding year". Eigentlich geht es hier aber eh nur ums Essen, Beisammensein und Anstoßen - und da bin ich immer dabei.

 

Aber bevor wir überhaupt erstmal in Thanksgiving Stimmung kamen, waren wir auf der großen Weihnachtsparade in Downtown Chicago. Wir waren zwar eine halbe Stunde vor dem Start da, aber viel zu spät, um die Parade gut zu sehen. Danach gab es noch ein Feuerwerk für das wir natürlich auch am falschen Platz standen. Da sind wir dann nen Kaffee trinken gegangen. War auch schön!

 

Letzte Woche war bei Little Brothers die "Thanksgiving-Woche". Von Montag bis Mittwoch haben wir Elders besucht, die zum Beispiel aufgrund ihrer körperlichen Verfassung nicht zu einer der Thanksgiving-Parties am Donnerstag kommen konnten. Die Elders waren aber nicht unbedingt die Elders, die wir auch sonst besuchen gehen, sondern welche die wir noch nicht kennengelernt hatten. Jedem von ihnen brachten wir eine Tüte mit Süßigkeiten, einer Topfpflanze, einem Apple Cider und einem Stück Pumpkin Pie mit. Die Idee war es, dass die Elders diesen Feiertag nicht alleine verbringen wir und wir ihn zusammen zelebrieren können. Die Besuche waren ganz unterschiedlich. Mit der einen Seniorin habe ich über Gott und die Welt gequatscht und wäre gerne noch länger geblieben. Mit einem Senior habe ich mich über Psychologie unterhalten und er hat mir richtig interessante Experimente vorgestellt. Und ich sage extra vorgestellt, weil ich mich bei ihm fast wie in einer Vorlesung gefühlt habe. Haha. Auch gab er mir fast den gesamten Inhalt der Thanksgiving-Tüte wieder zurück, weil das ja viel zu ungesund wäre. Wenn man lange leben will, müsse man sich schließlich auch dementsprechend ernähren!

Mittwochs haben wir im Office dann noch alles für die Parties am Donnerstag vorbereitet. Es gab eine North-Party für alle Senioren aus dem Norden Chicagos, eine Hispanic Party für alle spanisch sprechenden Senioren und eine South-Party für alle Senioren aus dem Süden. Da bei jeder Party über 120 Senioren eingeladen waren hatten wir natürlich viel zu tun. Rosen schneiden, Deko zusammensuchen, Trucks beladen, den Turkey zubereiten...

 

Am Donnerstag habe ich dann zwei Seniorinnen für die North Party abgeholt und uns wurde gleich im Auto feierlich ein selbstgeschriebenes Thanksgiving Gedicht von Seniorin Nummer 1 vorgetragen. Nachdem Seniorin Nummer 2 vor lauter Begeisterung in die Hände klatschte gab es für Seniorin Nummer 1 gar kein Halten mehr: von Katzen über den 2. Weltkrieg bis hin zu tiefen Gefühlen - über alles hatte sie ein Gedicht geschrieben und kannte jedes einzelne auswendig. Bei der Party angekommen haben wir uns dann einen Platz gesucht und über die schöne Deko gestaunt: jeder einzelne Tisch war mit Ballons und Blumen geschmückt. Das Thanksgiving-Dinner bestand aus 4 Gängen: Cracker mit Käsewürfeln und Weintrauben, eine Broccolicremesuppe, Turkey mit Gravy/Mashed Potatoes/Gemüse/Stuffing und Pumpkin Pie. Zwischendurch gab es Gewinnspiele (es gab also was umsonst) und da sind die Senioren immer richtig heiß drauf. Und es wurde auch getanzt! Ganz besonders ein Senior hat uns total begeistert. Ich schätze ihn auf Ende 80 und er hat wirklich in jeder Essenspause Rock'n'Roll getanzt und nebenbei auf seiner Mundharmonika gespielt. So süß!! Insgesamt war es auch eine sehr schöne Party... bis ich nach links und in das puterrote Gesicht von Seniorin Nummer 2 blickte. Sie hielt sich die Hände an den Hals und hatte die Augen weit aufgerissen. Sie wiegte sich selbst nach vorne und hinten und würgte ganz laut vor sich hin. Ich wurde sofort panisch, sprang auf und griff die nächste Person die da war um zu helfen. Ich wusste überhaupt nicht was zu tun war! Kurze Augenblicke später hatte Seniorin Nummer 2 aber schon das Essenstückchen, was sich in ihrer Luftröhre verfangen hatte, ausgespuckt und katapultierte es einmal quer über den Tisch. Hallelujah! Glücklicherweise ging es ihr schnell wieder besser, aber sie war trotzdem erstmal fertig mit der Welt - und ich auch. Mir war der Appetit mächtig vergangen. Ich hatte mich richtig erschrocken und hatte nach dem Anblick für Millisekunden schon mit dem Schlimmsten gerechnet! Und ich war auch erschrocken darüber wie hilflos ich auf einmal war. Das darf in einer Notsituation eigentlich nicht passieren. Zum Glück ist es dieses Mal aber gut ausgegangen..

Eine Sache, die ich von dieser Party noch mitgenommen habe: Toiletten-Gespräche zwischen betrunkenen Frauen sind in puncto Nettigkeit nichts gegen Toiletten-Gespräche zwischen älteren Damen. Ich stand mit zwei Seniorinnen in der Schlange zur Toilette. Die beiden hatten sich noch nie vorher gesehen, aber fanden das Outfit der jeweils anderen total superschön. Die eine fragte dann die andere ob sie ihr eine Umarmung geben könnte. Da standen die beiden dann vorm Waschbecken und hielten sich ganz fest im Arm. Hach!

 

Am Freitag haben wir mit Freunden Sushi gemacht, am Samstag hat uns Delphine echte französische Crepes gezaubert und am Sonntag hatten wir unser "Friendsroomiegiving" - ein Thanksgiving-Dinner mit meinen Roomies bei dem jeder eine Spezialität aus seinem Land gekocht hat! Ich wollte Brezeln machen. Bis mir dann einfiel, dass ich gar nicht weiß wie das geht. Also gab es dann Pizzabrezeln aus Pizzateig... Naja. Hauptsache es schmeckt!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0