Halbzeit!

Ein ganzes halbes Jahr

Unfassbar.. ein ganzes halbes Jahr ist schon rum! Ein ganzes halbes Jahr besuche ich nun schon meine Senioren, lebe zusammen mit meinen tollen Mitbewohnerinnen und lerne den "american way of life" kennen. Und zu diesem besonderen Anlass will ich mal auf die letzten sechs Monate zurückblicken.. was habe ich denn eigentlich so bis jetzt gelernt?

  1. Amerikaner sind unglaublich nett und hilfsbereit. Manchmal ist das sehr oberflächlich, z.B. wenn man im Supermarkt mit "Sweetie" oder "Honey" angesprochen wird oder wenn man von wildfremden Menschen im Vorbeigehen gefragt wird wie es einem denn geht. Allerdings ist das nicht immer so.. viele Leute sind auch wirklich an dir interessiert! Mir ist es schon oft passiert, dass man mit völlig Unbekannten an der Metrostation steht und anfängt über Gott und die Welt zu quatschen. Es hat sogar mal jemand meiner Seniorin und mir den kompletten Einkauf bezahlt.. Einfach so! J
  2. Hier fährt eigentlich niemand Taxi, sondern nur Uber oder Lyft. Das sind Apps über die man sich ein "Taxi" bestellen kann, das aber von einer Privatperson gefahren wird. Das ist sehr viel günstiger und man lernt die interessantesten Menschen kennen.
  3. So lecker jede Deep Dish Pizza auch ist.. mehr als zwei Stücke passen nicht J
  4. Man sollte niemals auf die Fahranweisungen von Senioren hören.. man baut entweder fast einen Unfall oder kommt niemals dort an wo man hin möchte.
  5. Nach den Preisen, die man hier in den Supermärkten sieht, lernt man LIDL, ALDI und Co. erst richtig zu schätzen. Für Shampoo und Conditioner gibt man schnell mal 20$ und für ein Stück Käse aus der Theke 9$ aus.
  6. Allerdings sind manche Sachen hier billiger als in Deutschland. Und zwar so viel billiger, dass das eigentlich schon gar nicht sein kann. Eier zum Beispiel. Da bekommt man 12 Stück für 70 Cent. 70 Cent!! Oder Fast Food. 10 Chicken Nuggets für 1.49$. Cola, Bacon-Cheeseburger, Pommes, Chicken Nuggets und ein Cookie für 4$. Wo kommt das bitte her?
  7. Nachdem ich dank riesiger Schlaglöcher schön öfters fast einen Autoreifen verloren habe, weiß ich die deutschen Straßen erst richtig zu schätzen.
  8. Bei Schnee und Minus 18 Grad muss man sich wohl oder übel dicke Schneestiefel kaufen. Und die gibt es leider nicht in schön.
  9. Je älter man wird, desto weniger nimmt man ein Blatt vor den Mund. Ich spreche da von meinen Senioren. Wenn die jemanden nicht mögen, dann sagen sie das auch laut. Wenn sie denken du hast zugenommen, dann fragen sie dich wie viel du in letzter Zeit denn so gegessen hast. Aus der "etwas breiteren Patientin vom Nebenzimmer" wird "die Fette von nebenan". Und wenn du nicht gut geschlafen hast und die Augen kaum auf bekommst, dann sagen sie dir dass du kacke aussiehst! Aber gleichzeitig zeigen sie dir auch direkt wenn sie sich freuen und sagen dir wenn sie etwas richtig toll finden. Zum Beispiel meine Winterjacke. Die fand Miss C. so schön, dass ich sie ihr doch einfach hätte schenken sollen. Die wäre mir ihrer Meinung nach ja eh viel zu klein..
  10. Gurken haben hier Kerne.
  11. Wenn man von der Polizei angehalten wird und ganz lieb mit deutschem Akzent spricht, bekommt man ganz vielleicht kein Ticket J
  12. Nachdem ich dank meiner Ultra-Seniorin Miss F. jetzt schon drei Mal bei der Steve Harvey Show war, kann ich amerikanische TV-Shows noch weniger ernst nehmen.
  13. Auto fahren kann hier ganz schön gefährlich sein. Hier benutzt gefühlt niemand seine Blinker, Leute stoppen ohne Grund einfach mitten auf der Straße oder hupen als gäbs kein Morgen mehr. Das kann manchmal schon richtig nerven. Oft stehen auch Leute, die nach Geld fragen, zwischen zwei Fahrspuren und die kann man in dem ganzen Verkehrschaos auch schnell übersehen. Gefährlich finde ich auch die Highway-Abfahrten. Da ist man dann auf der linken Spur und muss innerhalb von 50 Metern vier Spuren nach rechts wechseln und dabei kommen ja auch noch Autos von hinten. Das ist manchmal gar nicht so einfach.
  14. (Fried) Chicken ist das Hauptnahrungsmittel meiner Senioren. 
  15. Ich habe nach sechs Monaten jetzt auch mal rausgefunden wie man hier das normale Autolicht anstatt das Fernlicht anstellt..
  16. Manche meiner Seniorinnen sind mehr an meinem Liebesleben interessiert als an den Breaking News im TV.
  17. Selbst wenn manche Senioren dir beim Aufstehen entgegenpupsen, laut in deine Richtung rülpsen, dir beim Sprechen unidentifizierbare Essenreste auf die Hose spucken oder dir (sehr sehr) feuchte Schmatzer auf die Wange geben.. man überlebt!
  18. Die Amis lieben Deutschland. Der größte Traum - einmal über die Autobahn zu fahren. Oder sich richtig auf dem Oktoberfest zu besaufen. Überhaupt in der Öffentlichkeit zu trinken, das wäre doch mal richtig was. Und "I'm German too!" habe ich hier schon so oft gehört. Im Endeffekt ist die Person dann aber gar nicht deutsch. Die Oma hatte mal einen Mann dessen Schwester..
  19. Gerade mit meiner Arbeit bei Little Brothers ist mir aufgefallen wie wichtig es ist auf seine Mitmenschen zu achten. Einfach mal beim Überqueren der Straße seine Hilfe anbieten, den Einkauf tragen.. oder einfach mal ein bisschen mehr lächeln!
  20. Religion ist vielen Amerikanern sehr wichtig. Selbst in meiner Schulzeit auf einem katholischen Gymnasium wurde ich nicht so viel und oft mit Gott konfrontiert wie hier. Und meine Senioren beten auch einfach alles Schlechte weg. Gewitter? Schmerzen? Trump? Einfach wegbeten.
  21. Man meint, dass man hier keine politische Meinung haben darf bis man sie sich in Stickerform aufs Auto klebt. So viele (dämliche) Sticker wie hier habe ich wirklich noch nie gesehen.
  22. In den USA muss man eigentlich in keinen einzigen Laden rein. Für alles gibts ja einen Drive-Thru. Geld abholen - Drive-Thru. Rezept einlösen - Drive-Thru. Es soll hier sogar Drive-Thrus in Beerdigungsinstituten und Bars geben..
  23. Und wenn wir gerade schon beim Thema Beerdigung sind. Wenn eine Autokolonne von einer Beerdigung kommt oder dorthin fährt, dann haben sie so ein neonfarbenes Schild in der Windschutzscheibe und dürfen alle über rot fahren. Allerdings hab ich noch nicht rausgefunden ob das immer so ist oder nur bei "besonderen" Beerdigungen. 

Und eins der wichtigsten Dinge die ich bis jetzt gelernt habe: man muss keine Angst vorm Älterwerden haben. Irgendwann machen die Beine nicht mehr so mit, die Finger funktionieren nicht so wie früher und es fällt einem etwas schwerer sich an bestimmte Dinge zu erinnern - aber was ich hier tagtäglich erlebe sind glückliche, dankbare und lustige Senioren, die, genau wie wir, das Leben in vollsten Zügen genießen wollen! Sie machen sich schick, unterhalten sich über die Nachrichten, schlagen sich den Bauch mit gutem Essen voll, benutzen das Internet, lachen über andere und sich selbst, lästern, flirten, freuen sich. Little Brothers ist mir wirklich ans Herz gewachsen und deswegen würde ich mich umso mehr freuen, wenn ihr mich weiterhin bei meinem Projekt unterstützt. Ich habe bis jetzt 2.803€ an Spenden gesammelt - das ist unglaublich und dafür möchte ich mich ganz herzlich bei allen Spendern bedanken! Ihr seid der Wahnsinn Um mein Spendenziel zu erreichen fehlen mir noch 897€. Falls Dir mein Projekt und mein Blog gefällt wäre ich Dir für eine Spende auf mein Spendenkonto sehr dankbar:

 

World-Horizon

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Verwendungszweck: Spende, Kim Vielmal 

 

Ganz viel Liebe 

Kim


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