April, April!

April, april!

April? Warte mal.. Es war doch gerade erst Silvester? Die Zeit geht so unglaublich schnell rum. Gerade im April ist mir das klar geworden. Jetzt wo es langsam Frühling wird und damit dann bald auch schon Sommer ist und dann schon der 17. August - der Tag an dem es zurück nach Deutschland geht. Hilfe! Aber bevor ich mich jetzt verrückt mache, denke ich an all die Sommertage, Wochenenden und Reisen die ich noch vor mir habe und erzähle euch von meinem April! J

Ich war zum ersten Mal im Art Institute of Chicago, ein Kunstmuseum welches normalerweise ganz schön teuer ist. Jeden Donnerstag haben Chicago Residents dort allerdings von 17-20 uhr freien Eintritt! Delphine ist mit mir gekommen und wir haben auf dem Weg auch noch ein Foto vom Anfang der Route 66 gemacht. Der ist mit einem einfachen Schild markiert, welches unscheinbar neben einer Green Line Station steht. Dafür dass die Route 66 auch als "Main Street of America" bezeichnet wird war das Schild ganz schön klein. Im Art Institute habe ich einfach irgendwo angefangen und bin natürlich im langweiligsten Teil des Museums gelandet. Religiöse Gemälde, antike Möbel, Mittelalter - nicht so meins. Allerdings fand ich die Impressionismus-Ausstellung interessant und ganz besonders beeindrucken fand ich "La Grande Jatte" von Georges Seurat - ein riesiges Gemälde das nur aus Punkten besteht.

Außerdem habe ich noch eine Free Architecture Tour gemacht bei der uns unter anderem die verschiedenen Baustile im South Loop Chicagos erklärt wurden. Unser Tourguide hat uns auch erzählt, dass der Schutt des Großen Feuers in Chicago dort abgeladen wurde wo heute der Grant und Millennium Park ist. Das Land hat vorher also gar nicht existiert und die Chicago Bean steht somit quasi auf der Asche von 1871.

Eine meiner Seniorinnen, Miss N., hatte diesen Monat Geburtstag und ist 99 Jahre alt geworden! Ich habe ein bisschen mit ihr gefeiert, allerdings war an ihrem Bett im Nursing Home kaum mehr Platz für meine Geschenke - es hingen überall Luftballons und sie hatte zwei große Torten geschenkt bekommen! So süß. Bei meinem nächsten Besuch fragte ich sie was sie denn mit den Torten gemacht hätte. Miss N. hatte es schon vergessen, aber ihre Zimmernachbarin sagte mir, dass sie ein paar Stücke abgegeben hat aber den Rest komplett allein gegessen hat. Hahaha. So muss das sein!

Dann war ich noch mit Miss F. bei ihrem Augenarzt - wir waren auch nur 1 Stunde zu früh da.. Sie hat mich dann aber später zu zwei Donuts und einem Kaffee bei Dunkin Donuts eingeladen und als ich ihr erzählte, dass ich im Mai Geburtstag habe schaute sie mich mit großen Augen an. "Oh my, what am I gonna get for your birthday? What do you like?!". Ich sagte ihr dann dass sie mir doch gar nichts schenken soll, sie hat mich doch schon zum Nachmittagssnack eingeladen. Das ging für sie aber gar nicht und so hielt sie mir dann nach einem großen Geschenke-Brainstorming ihrerseits einen 10$ Schein hin und meinte dass ich mir davon was Schönes kaufen soll. Geld dürfen wir von unseren Senioren aber nicht annehmen, also habe ich ihr das Geld das nächste Mal dann unauffällig in ihr Einkaufsgeld geschmuggelt.

Und dann war Super-Woche: meine beiden Mitbewohnerinnen, meine Supervisorin Vicky und meine beste Freundin in Deutschland hatten Geburtstag, es war Ostern und meine herzallerliebste Mitbewohnerin Pepa ist wieder nach Chicago gezogen!

Für Saras Geburtstag haben wir sie morgens mit Donuts, einem aufblasbaren Pool-Einhorn und Ballons überrascht und haben abends nach der Arbeit zusammen gekocht. An Delphines Geburtstag gab es von uns natürlich auch wieder Ballons und einen Chicago-Hoodie, den wir allerdings noch zusammen aussuchen müssen. Wir haben morgens zusammen gefrühstückt und sind danach zu fünft zur Shopping-Mall in Rosemont gefahren. Abends hatten wir für beide eine Surprise Party geplant und vorbereitet und haben dafür ein paar Leute eingeladen. Von mir gab es eine selbstgemachte dreistöckige Torte, die nur aus Melone, Ananas, Erdbeeren, Mandarinen, Brombeeren und Kiwi bestand J Kann man mal machen. Es war ein richtig schöner Abend und die beiden haben wirklich nichts geahnt - schwierig finde ich Überraschungen trotzdem. Man darf nichts verraten aber muss trotzdem sicher sein, dass die Person sich nichts vornimmt..

Für Ostern haben wir bei Little Brothers von Mittwoch bis Freitag die Early Nursing Home Visits gemacht. Man bekommt ca. 5 Senioren zugeteilt, die in Nursing Homes wohnen und nicht zu einer der Parties kommen können. Die besucht man dann und bringt eine Tüte mit Kleinigkeiten mit. Dieses Mal gab es Apple Cider zum Anstoßen, ein Stück Cheesecake, Schokolade und eine Blume. Die Besuche waren wieder so unterschiedlich! Ich wollte Miss B. ihre Tüte vorbei bringen und traf sie in ihrem Zimmer nicht an. Ich habe dann eine andere Seniorin im Tagesraum gefragt wo sie denn stecken könnte und sie sagte mir, dass Miss B. irgendwo durch den Flur spaziert. Ich fragte dann die nächste Seniorin, die ich durch den Flur wandern sah, ob sie Miss B. sei. Die nickte dann ganz euphorisch und streckte mir die Hand für die Tüte entgegen. Allerdings kam dann eine der Krankenschwestern mit der "echten" Miss B. angerannt - diese nahm mir die Tüte ab, lächelte kurz und war dann auch schon wieder weg. Eine andere Seniorin, Miss O., ist blind und ich musste sie mit dem Cheesecake füttern. Nachdem sie den Cider und den Kuchen gegessen hatte meinte sie zu mir dass sie ja ganz nach dem Motto "It's better for a bad belly to burst than for good food to waste" leben würde. Na da sind wir uns ja einig!

Und dann war es Sonntag! Als ich in Chicago angekommen bin habe ich zwei Monate lang mit Delphine und Pepa zusammengewohnt. Pepa ist dann im November zurück nach Spanien gegangen, weil sie ein Jobangebot aus New York hatte. Leider gab es aber Probleme mit ihrem Visum und da wir ein Zimmer im anderen Appartment frei hatten konnte sie jetzt wiederkommen! Juhuuu. Es war so schön sie wiederzusehen und es war original wie im Film als wir händchenhaltend durch die Ankunftshalle am Flughafen gesprungen sind. Auch für diesen Anlass konnte ich es mir nicht nehmen wieder einen Ballon zu kaufen. Man kann ja schließlich nie genug haben!

In der Woche danach haben Pepa und ich unsere Lunchpause genutzt um nach Evanston (eine Stadt im Norden Chicagos) zu fahren und dort einen Kaffee zu trinken und am Strand zu relaxen.. so schön!

Am Wochenende danach waren wir Freitagabend im Bridgeport Art Center - ein großes Gebäude in dem verschiedene Künstler ihre Studios haben. Ein Mal im Monat gibt es dort dann Ausstellungen und freien Eintritt.. und kostenlose Getränke und Snacks. Aber dafür waren wir natürlich nicht da. Wir bestaunten auch nicht über eine halbe Stunde die komischen Ballon-Skulpturen in einem der Studios weil es dort die besten Snacks gab.. nein.. Aber mal im Ernst, das Art Center ist wirklich sehenswert und die Leute dort hatten richtig interessante Sachen zu erzählen. Später saßen wir noch mit wildfremden Menschen aneinandergekuschelt um ein kleines Lagerfeuer, welches von einem Künstler in Kilt, Wanderschuhen und Vollbart organisiert wurde. Zuhause bin ich dann mit Pepa auf der Couch eingeschlafen und wir haben um 5 Uhr morgens einen wunderschönen Sonnenaufgang hinter der Skyline von Chicago gesehen.. haaach.

Samstag wurde ich zur Show "Blue Men Group" eingeladen und da habe ich mich mega drüber gefreut! Die Show war auch ganz cool aber so wirklich anfreunden konnte ich mich mit den Blue Men nicht. Ich glaube wenn man nachts von Aliens entführt wird dann sehen die genau so aus wie die Blue Men. Ganz so traurig war ich dann also nicht als wir wieder aus dem Theater kamen J.

Für Sonntag haben meine Mitbewohnerinnen, ein Freund von uns und ich uns Tickets für das Gospel Brunch im House of Blues gekauft. Die waren ganz schön teuer - aber es hat sich SO gelohnt! Das Essen war super lecker (Bacon, Bacon, Bacon!). Und der Gospelchor hat über eine Stunde gesungen. Was braucht man mehr um glücklich zu sein.. Nachdem alle ihre zig tausend Teller geleert haben, hat auch jeder mitgesungen und mitgetanzt. Das war einfach unglaublich schön! Danach sind wir zum Seeufer gelaufen und haben einer Hiphop Streetdance Gruppe zugesehen. Ich habe wohl zu auffällig weggeschaut als nach Freiwilligen gesucht wurde und wurde somit natürlich von der Gruppe ausgewählt. Zu viert mussten wir uns minutenlang bücken (mit vollem Magen..), damit einer der Tänzer dann über uns drüber springen konnte. Das war dann auch erstmal wieder zu viel Action, also haben wir uns danach an den Lake gesetzt und in der Sonne gelegen, sind später noch auf den Rooftop eines Freundes gegangen und haben uns ein Slusheis gegönnt. Das war ein richtig richtig tolles Wochenende!

Ich war dienstags mit Miss F. im Museum of African-American History. Da ist der Eintritt nämlich jeden Dienstag kostenlos. Man kann dort unter anderem viel über die Sklaverei, die Black Panther Party und Harold Washington, den ersten schwarzen Bürgermeister Chicagos, erfahren. Dann waren Miss B. und ich in Evanston in einem kleinen unscheinbaren Café belgische Waffeln essen. Die waren so unglaublich lecker - auch wenn Miss B. gefühlt die ganze Zeit am meckern war (es gab schließlich kein Sirup und die Besitzer des Cafés sind ja Inder und keine Belgier.. also ob das dann so authentische belgische Waffeln wären, naja..). Wir haben mit ein paar anderen Freiwilligen einen Ausflug in den Botanischen Garten mit unseren Senioren gemacht und trotz meiner Heuschnupfen-Niesanfälle war es dort richtig schön. Wir mussten allerdings alle paar Meter Pause machen, weil die jungen Beine der Damen und Herren dann doch nicht mehr so jung waren wie sie es uns vorher noch mitteilten J

Am Donnerstagabend war ich dann nochmal im Art Institute und habe mir dieses Mal die Contemporary Art angeguckt. Eine grün angemalte Leinwand ist eben auch Kunst...

Freitags war der letzte Tag bei Little Brothers für meine Supervisorin Karacan. Sie wird ab jetzt in ihrer Kirche arbeiten und es war sehr traurig sie zu verabschieden. Sie hat jedem (!) Mitarbeiter bei Little Brothers eine Karte zum Abschied geschrieben und ihren PA's, also Anna, Pepa und mir, noch eine Kerze mit unserem Namen dazu geschenkt. Karacan ist nur ein halbes Jahr älter als ich, aber sie hat so eine unglaubliche Lebenserfahrung. Ich konnte wirklich viel von ihr lernen und bin sehr froh sie kennengelernt zu haben!

Und am 29. April haben wir dann bei uns zuhause Geburtstag gefeiert! Anna, Mathilde, Delphine, Sara und ich haben alle im April und Mai Geburtstag. Der perfekte Anlass also um eine Party zu schmeißen J Wir haben etwas Essen und Sangria und Mojito vorbereitet, den Raum so gut es ging geschmückt und haben dann mit ca. 30 Leuten gefeiert. Es war ein super schöner Abend und auch wenn ich noch gar nicht Geburtstag hatte durfte ich meine Geschenke schon aufmachen. Ich habe ein Reisetagebuch, eine Kosmetiktasche mit einem Wal in Melonenform (haha), eine Uhr, ein Kuschel-Einhorn (das von Agnes aus "Die Minions"!!!) und eine rosa Instax Mini bekommen.. ich hab mich so sehr darüber gefreut, dass ich erstmal ein paar Tränchen verdrücken musste. Ich habe unglaublich tolle Menschen hier kennengelernt. Tausend Dank!!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0