Meine ersten Tage als Little Brother

Meine ersten Tage als Little Brother

26. August

Heute fängt mein erstes Wochenende in Chicago an - das heißt, dass ich nun auch meine ersten Arbeitstage hinter mir habe. Die waren so aufregend, dass es total unwirklich scheint, dass ich erst seit vorvorgestern hier bin. Mir geht es wunderbar und es gefällt mir so unglaublich gut hier! In diesem Blogeintrag erzähle euch auch warum.

 

Wir haben den wahrscheinlich kürzesten Arbeitsweg der Welt. Man fährt nämlich nur mit dem Fahrstuhl von unserem Appartment runter zum Front Desk - und ist da. Am Mittwoch, meinem allerersten Arbeitstag, sind wir also um kurz vor 9 runtergefahren und haben uns mit Diane getroffen, einer der Mitarbeiterinnen von Little Brothers. Sie hat uns ein paar wichtige Infos über die Organisation und die Autos gegeben, die von uns allen genutzt werden. Außerdem gab sie uns den Tipp uns zu wiegen. Wenn wir uns dann nämlich wieder in einem Jahr wiegen würden, werden wir definitiv schwerer sein. Warum? Weil sich bei Little Brothers alles ums Essen dreht. Das kann ich nach den ersten drei Tagen auch nur bestätigen J. Danach zeigte mir Teresa, eine weitere Mitarbeiterin, wie man sich hier in die Computer einloggt. Ich habe jetzt sogar eine persönliche Email Adresse bei Little Brothers! Der Job, den ich hier bei Little Brothers mache, wird als Program Assistant beschrieben. Wir sind bzw. werden 10 Program Assistants (PAs) sein, die für Little Brothers arbeiten. Um 10 trafen Fabian und ich uns dann mit Pepa (eine der PAs und meine Mitbewohnerin), da wir ihre Senioren zusammen mit ihr besuchen sollten. Die ersten zweieinhalb Wochen werde ich noch nicht ganz alleine durch Chicago fahren, sondern immer bei jemandem dabei sein. Das ist wirklich hilfreich, um ein Gefühl für die Stadt, den Verkehr und die verschiedenen Besuche zu bekommen. Man wird also nicht ins kalte, sondern nur ins lauwarme Wasser geschmissen J. Zuerst fuhren wir mit Pepa zu einer Dame, die nicht ganz so einfach sein soll. Mit ihr waren wir zusammen bei Joe Malnati's essen, einer italienischen Diner-Kette. Da gab es auch direkt meine erste Deep Dish Pizza (ja um 11:30 am Vormittag), die eine Spezialität hier in Chicago ist (soo lecker!). Ich fand die Dame eigentlich ganz witzig, weil sie so halbgemeine Sachen rausgehauen hat, dabei aber immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Danach sind wir dann zu einer anderen Dame, die meistens nicht so große Lust hat was zu unternehmen und eher Brettspiele bevorzugt. Mit ihr haben wir dann zwei Stunden lang Checkers gespielt. Das kannte ich vorher noch nicht, aber es war auch nicht sehr schwer zu lernen. Wir haben uns nicht viel mit ihr unterhalten, aber ich hatte auch das Gefühl, dass das nicht nötig war, weil sie sehr konzentriert über ihre nächsten Spielzüge nachgedacht hat. Als wir dann gegangen sind meinte sie aber noch zu mir, dass ihr meine Haare gut gefallen. Das Kompliment konnte ich nur zurückgeben, da sie erst vor vor kurzem einen neuen, schicken Haarschnitt bekommen hatte. Pepa, Fabian und ich sind dann noch einkaufen gegangen. Pepa brauchte Kuchen, Brot und mehr für den Coffee Club, den sie immer vorbereitet. Ich brauchte Sachen für mich selbst, da mein Fach im Kühlschrank noch komplett leer war. Und wo waren wir einkaufen? Natürlich bei ALDI. Den gibts hier nämlich auch. Ein paar Unterschiede gibt es aber trotzdem: die Verpackungen sind hier um einiges größer. Milch kauft man zum Beispiel meistens als Gallon (mehr als drei Liter). Die Süßigkeiten sehen hier besser aus. Und das Brot.. es geht einfach nichts über das gute deutsche Brot. Hier in Amerika ist das nämlich richtig weich und meistens sehr süß. Aber daran werde ich mich auch noch gewöhnen! Als wir dann wieder bei Little Brothers waren haben wir uns noch etwas ins Office gesetzt (einem großen Raum für alle PAs, in dem jeder auch seinen eigenen kleinen Schreibtisch hat). Um 5 Uhr hatten wir Feierabend und ich wollte unbedingt nach Downtown, um mir die ganzen Hochhäuser anzusehen. Mit dem Train, der hier so ähnlich ist wie eine Straßenbahn, sind wir ein paar Stationen gefahren und waren dann mitten im Geschehen. Es war einfach überwältigend! Der blaue Himmel, die riesigen Häuser und die Sirenen. Es ist wie im Film. Ich habe mir zuerst ein neues Handy gekauft, da meins vor zwei Wochen leider geklaut wurde. Dann sind wir irgendwann rechts abgebogen und kamen plötzlich an einem Strand an. Das ist total verrückt! Man ist mitten in der Stadt, fühlt sich aber wie im Strandurlaub. Das Wasser des Lake Michigans ist richtig kalt, aber total klar. Von da aus sind wir den Lakefront Trail, so eine Art Promenade, hinuntergelaufen bis zum Navy Pier. Dort gibt es viele Restaurants, Bars und sogar ein Riesenrad und eine Schlittschuhbahn, auf der man auch im Sommer fahren kann. Wir haben uns zur Feier des Tages ein Bier gekauft (Bud Light - schmeckt wie Wasser mit leichtem Biergeschmack) und waren uns nicht so sicher ob wir das denn überhaupt so in der Öffentlichkeit trinken dürfen. In den USA darf man normalerweise ja niemals auf der Straße trinken. Wir haben dann ein paar Polizisten gefragt, die uns sagten, dass man auf dem ganzen Navy Pier sein Bier trinken darf. Also haben wir uns ans Wasser gesetzt und hatten einen direkten Blick auf die Skyline. Das war so ein richtiger Kodak Moment, weil es einfach nur toll aussah! Irgendwann wurden wir aber ganz schön müde und sind dann nach Hause gegangen. Leider haben wir damit genau das Feuerwerk verpasst, was im Sommer immer mittwochs und sonntags am Navy Pier stattfindet. Ich hätte es wahrscheinlich eh verschlafen J. 

Am nächsten Tag fand morgens der Coffee Club statt, zu dem ein paar Senioren kamen. Es gibt Frühstück, aber auch Kuchen und Muffins. So fing der Tag für mich also schon mit vielen Kalorien an J. Danach bin ich mit Tim und Bobby, auch PAs, zu zwei von Tims Seniorinnen gefahren, um sie zu einem Lunch abzuholen (Stichwort Essen). Ich bin das erste Mal alleine gefahren. Ich hab ehrlich gesagt ganz schön geschwitzt, denn der Verkehr ist hier schon eher verrückt. Es wird auch ständig gehupt und man steht eigentlich immer Stau. Außerdem sind wir mit einem der größeren Autos von Little Brothers gefahren und das hat es nicht viel einfacher gemacht. Aber früher oder später werde ich hier jeden Tag alleine durch die Gegend fahren und ich war froh, dass ich noch zwei erfahrene Automatikfahrer an Bord hatte. Stoppschilder bedeuten hier auch nicht gleich Vorfahrt für die anderen. Man muss dann erstmal gucken ob die anderen auch ein Stoppschild auf ihrer Straße haben und, wenn ja, dann darf derjenige fahren, der als erstes gekommen ist. Stoppschilder findet man außerdem an den komischsten Stellen. Und an Ampeln darf man auch bei rot immer rechts abbiegen. Aber zurück zu unserem Besuch: Tim nennt die beiden Seniorinnen liebevoll die Divas und er hat da wirklich nicht zu viel versprochen. Die beiden sind der absolute Kracher! Wir haben uns richtig gut unterhalten und viel gelacht. Allerdings war es auch ein bisschen traurig, da es Tims letzter Besuch bei den beiden ist und sie sich verabschieden mussten. Die Divas haben Tim noch ein Abschiedsgeschenk gemacht - eine DVD, auf der eine der beiden unter anderem zu Opernmusik eine kleine Performance abgibt. Wie kann man bitte so cool sein? Abends hat mich Tim dann zu einem Barbecue bei einer Freundin eingeladen. Sie kommt auch aus Deutschland und schreibt hier gerade ihre Masterarbeit bei einer Firma in Chicago. Mit Lichterketten und Bratwurst ging dieser Tag dann zuende.

 

Heute hat Tim eine Abschiedsparty für seine Senioren gegeben, für die Sara und ich noch drei Leute abgeholt haben. Ich bin jeden Weg gefahren und habe mich schon viel sicherer dabei gefühlt. Trotzdem stoppt man manchmal noch ruckartig und ist übervorsichtig. Meine Mitfahrer waren aber alle sehr verständnisvoll und haben mir jedes Ruckeln verziehen. Die Parties für die Senioren fangen nicht wie bei uns abends um 8 an, sondern mittags um 12. Es gab richtig gutes Essen und wir haben am Ende sogar zu Macarena und Mambo No. 5 getanzt. Natürlich ließ sich eine der Divas die Gelegenheit nicht nehmen und zeigte uns ihren Bootyshake J. Später haben wir die Senioren (die hier die Elders genannt werden) wieder nach Hause gebracht und da war es auch schon 17 Uhr. Ich war ganz schön müde und wollte ein bisschen die Gegend, in der wir hier wohnen, erkunden. Fabian hat mich begleitet und wir sind im Endeffekt stundenlang im Target (eine amerikanische Supermarktkette) hängen geblieben, weil es dort so unglaublich viele neue Sachen zu entdecken gab und wir natürlich erst mal alles inspizieren mussten. Das ist eben auch Abendprogramm J.

 

Mir gefällt es hier unglaublich gut und ich bin so froh hier sein zu dürfen. Natürlich ist jetzt noch alles neu und dadurch auch super aufregend, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit einem Freiwilligendienst bei Little Brothers die richtige Entscheidung getroffen hab. Dieser Blogpost ist jetzt ganz schön lang geworden - aber es gab auch ganz schön viel zu erzählen. In Zukunft werde ich wahrscheinlich nicht mehr so super viel schreiben, aber ich wollte euch etwas mehr erzählen, damit ihr euch ungefähr vorstellen könnt was mich hier die nächsten Monate erwarten wird. 

 

P.S.: Die Fotos lassen sich mit einem Klick vergrößern J.


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Düsseldorf - Kopenhagen - Chicago

Düsseldorf - Kopenhagen - Chicago

23. August

Es ist gerade 7 Uhr morgens hier in Chicago. Jetlagmäßig bin ich viel zu früh aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. Also erzähle ich euch doch mal von meiner kleinen Reise!

 

Letztes Wochenende habe ich mich von meinen Freunden bei Pizza und Cocktails in Köln verabschiedet. Es macht mich echt traurig alle zu verlassen, aber ich konnte es noch gar nicht realisieren, dass ich nun für ein ganzes Jahr weg bin. In den letzten Tagen stieg mit dem Kofferpacken und letzten Besorgungen die Aufregung. Ich hatte alle Sachen, die ich für das Jahr mitnehmen wollte, doch tatsächlich in einen Koffer, ein Handgepäck und eine Handtasche bekommen. Oberteile & Hosen rollen anstatt übereinander zu legen. Und dann ganz viel quetschen. Damit hats geklappt J

 

Gestern war es dann soweit: es ging nach Chicago! Nach einem tollen Frühstück mit meiner Familie machten wir uns auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen. Der Check-In ging wirklich schnell und mein Koffer durfte auch trotz 1,4 kg Übergewicht mitfliegen. Glück gehabt! Doch dann mussten wir uns verabschieden. Das fiel uns allen nicht leicht und der Abschied war wirklich ganz schön traurig. Und ja, auch mit 23 darf man noch heulen wenn man Tschüss sagen muss J. Mit einem letzten Winken bin ich dann durch den Security Check und zu meinem Gate gegangen. Ich musste nicht lange aufs Boarding warten und wir flogen fast pünktlich nach Kopenhagen los. Wir hatten tolles Wetter und man konnte richtig viel sehen!

Tschüss ihr Lieben!

                 Blick aus dem Flugzeug


Nach der Landung in Kopenhagen war ich ein bisschen nervös, da mir nur 45 Minuten zum Umsteigen blieben und ich am anderen Ende des Flughafens abfliegen sollte. Nach einem hektischen Nordic Walk mit Handgepäck und großer Tasche kam ich aber rechtzeitig an. Im Flugzeug hatte ich einen Platz am Gang und konnte leider nicht viel sehen. Das war dank der großen Filmauswahl aber gar kein Problem. Die 8,5 Stunden im Flugzeug vergingen.. wie im Flug (witzig). In Chicago angekommen musste ich durch sowas wie einen Visa Check, bei dem ein Officer dir ein paar Fragen stellt und daraufhin entscheidet für wie lange du das Visum bekommst. Denkste! Der Officer fragte mich ein bisschen über Little Brothers und meine Arbeit dort aus und sagte mir dann, dass er das toll findet (das Lächeln dazu konnte man nur erahnen). Er schickte mich zu einem anderen Officer, der mich dann in einen Raum der Border Patrol begleitete, in dem mir noch mehr Fragen gestellt werden sollten. Allerdings warteten dort circa 50 Menschen, die wahrscheinlich auch auf Visatauglichkeit geprüft werden sollten. Die Stimmung war bombastisch! Handys waren nicht erlaubt und jeder der von einem Officer damit gesehen wurde, wurde entweder ermahnt oder bekam es abgenommen. Auch durfte man nicht im Gang stehen und musste sich einen Platz zum Sitzen suchen. Man fühlt sich ehrlich gesagt schon ein bisschen wie ein Schwerverbrecher. Nach mehr als 2 Stunden wurde mein Name aufgerufen und mir wurde mein Reisepass übergeben, in dem nun stand, dass ich für ein Jahr in den USA bleiben darf!

Fabian (der World-Horizon Freiwillige mit dem ich dieses Jahr hier verbringen werde) und Tim (der World-Horizon Freiwillige, der schon seit letztem Jahr hier ist und nur noch ein paar Tage bleibt) holten mich vom Flughafen ab und mussten die ganze Zeit leider warten. Zum Glück haben wir uns aber schnell gefunden und wir fuhren dann zum Little Brothers Gebäude, meinem neuen Zuhause. Vom Highway aus konnte man die Skyline sehen und die ist so unglaublich schön! Bei Little Brothers angekommen, haben mir die beiden das Appartement und mein Zimmer für das nächste Jahr gezeigt. Es ist richtig cool und ich glaube hier kann man sich wirklich wohlfühlen. Wir wollten eigentlich noch was essen, waren dann aber alle zu kaputt und sind relativ früh schlafen gegangen.

 

Um 5 Uhr morgens war ich heute wach und als ich so aus dem Fenster im Wohnzimmer guckte (von dem man die Skyline sieht wenn man sich ein bisschen rauslehnt), war ich einfach nur richtig glücklich hier sein zu dürfen. Gleich fängt mein erster Arbeitstag an und ich bin sehr gespannt!


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