Florida:Roadtrip

Roadtrip #2: Florida

Als es in Chicago mal wieder so richtig kalt und ungemütlich war haben meine Freundin Anja (mein Schwiizer Maitli haha) und ich beschlossen einen Urlaub zu buchen. Wir hatten beide noch Urlaubstage übrig und wollten irgendwo hin wo es warm ist - wo der kalte Wind dir eben nicht das halbe Gesicht wegfriert. Wir hatten zuerst geplant nach Jamaica zu fliegen. Nachdem wir dort aber keine schöne bzw. bezahlbare Unterkunft gefunden hatten, wurde aus Jamaica dann die Dominikanische Republik. Dahin wurden die Plätze unseres Standby-Flugs aber von Tag zu Tag weniger und wir entschieden uns für Mexiko. Und aus Mexiko wurde dann letztendlich: Florida!

Auch wenn ich erst vor zwei Monaten da war konnte ich es kaum erwarten wieder dort am Strand zu liegen. Genug bekommen kann man davon nie J Wir wollten dann aber trotzdem ein bisschen was anderes machen und haben uns außer Miami auch für die Westküste Floridas entschieden, wo wir beide noch nicht waren. Vom 19. bis 26. Februar ging es für Anja und mich dann nach Fort Myers.. beziehungsweise Punta Gorda. Den Mietwagen hatte ich nämlich schlauerweise vom falschen Flughafen gebucht, der über eine halbe Stunde entfernt lag.

Außer dass wir für die Taxifahrt von Flughafen A zu Flughafen B gefühlt ein halbes Vermögen ausgeben mussten, wir uns in Miami mit einem Hotelmanager angelegt haben und manchmal böse Blicke verteilen mussten war alles richtig schön! Wir lagen stundenlang am Strand, haben Cocktails getrunken, sind in einer Limo und einem Party-Schulbus durch Miami gecruist, haben die peinlichsten Menschen dieser Erde getroffen, sind über den Riverwalk in Tampa spaziert, waren shoppen, feiern und haben gefühlt jeden Tag Pommes gegessen - perfekt! Es war ein supertoller Urlaub J Allerdings ging er viel zu schnell vorbei.. zum Glück blieb uns beiden aber ein Ganzkörper-Sonnenbrand, der uns noch Tage danach an unseren Urlaub erinnerte!


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Halbzeit!

Ein ganzes halbes Jahr

Unfassbar.. ein ganzes halbes Jahr ist schon rum! Ein ganzes halbes Jahr besuche ich nun schon meine Senioren, lebe zusammen mit meinen tollen Mitbewohnerinnen und lerne den "american way of life" kennen. Und zu diesem besonderen Anlass will ich mal auf die letzten sechs Monate zurückblicken.. was habe ich denn eigentlich so bis jetzt gelernt?

  1. Amerikaner sind unglaublich nett und hilfsbereit. Manchmal ist das sehr oberflächlich, z.B. wenn man im Supermarkt mit "Sweetie" oder "Honey" angesprochen wird oder wenn man von wildfremden Menschen im Vorbeigehen gefragt wird wie es einem denn geht. Allerdings ist das nicht immer so.. viele Leute sind auch wirklich an dir interessiert! Mir ist es schon oft passiert, dass man mit völlig Unbekannten an der Metrostation steht und anfängt über Gott und die Welt zu quatschen. Es hat sogar mal jemand meiner Seniorin und mir den kompletten Einkauf bezahlt.. Einfach so! J
  2. Hier fährt eigentlich niemand Taxi, sondern nur Uber oder Lyft. Das sind Apps über die man sich ein "Taxi" bestellen kann, das aber von einer Privatperson gefahren wird. Das ist sehr viel günstiger und man lernt die interessantesten Menschen kennen.
  3. So lecker jede Deep Dish Pizza auch ist.. mehr als zwei Stücke passen nicht J
  4. Man sollte niemals auf die Fahranweisungen von Senioren hören.. man baut entweder fast einen Unfall oder kommt niemals dort an wo man hin möchte.
  5. Nach den Preisen, die man hier in den Supermärkten sieht, lernt man LIDL, ALDI und Co. erst richtig zu schätzen. Für Shampoo und Conditioner gibt man schnell mal 20$ und für ein Stück Käse aus der Theke 9$ aus.
  6. Allerdings sind manche Sachen hier billiger als in Deutschland. Und zwar so viel billiger, dass das eigentlich schon gar nicht sein kann. Eier zum Beispiel. Da bekommt man 12 Stück für 70 Cent. 70 Cent!! Oder Fast Food. 10 Chicken Nuggets für 1.49$. Cola, Bacon-Cheeseburger, Pommes, Chicken Nuggets und ein Cookie für 4$. Wo kommt das bitte her?
  7. Nachdem ich dank riesiger Schlaglöcher schön öfters fast einen Autoreifen verloren habe, weiß ich die deutschen Straßen erst richtig zu schätzen.
  8. Bei Schnee und Minus 18 Grad muss man sich wohl oder übel dicke Schneestiefel kaufen. Und die gibt es leider nicht in schön.
  9. Je älter man wird, desto weniger nimmt man ein Blatt vor den Mund. Ich spreche da von meinen Senioren. Wenn die jemanden nicht mögen, dann sagen sie das auch laut. Wenn sie denken du hast zugenommen, dann fragen sie dich wie viel du in letzter Zeit denn so gegessen hast. Aus der "etwas breiteren Patientin vom Nebenzimmer" wird "die Fette von nebenan". Und wenn du nicht gut geschlafen hast und die Augen kaum auf bekommst, dann sagen sie dir dass du kacke aussiehst! Aber gleichzeitig zeigen sie dir auch direkt wenn sie sich freuen und sagen dir wenn sie etwas richtig toll finden. Zum Beispiel meine Winterjacke. Die fand Miss C. so schön, dass ich sie ihr doch einfach hätte schenken sollen. Die wäre mir ihrer Meinung nach ja eh viel zu klein..
  10. Gurken haben hier Kerne.
  11. Wenn man von der Polizei angehalten wird und ganz lieb mit deutschem Akzent spricht, bekommt man ganz vielleicht kein Ticket J
  12. Nachdem ich dank meiner Ultra-Seniorin Miss F. jetzt schon drei Mal bei der Steve Harvey Show war, kann ich amerikanische TV-Shows noch weniger ernst nehmen.
  13. Auto fahren kann hier ganz schön gefährlich sein. Hier benutzt gefühlt niemand seine Blinker, Leute stoppen ohne Grund einfach mitten auf der Straße oder hupen als gäbs kein Morgen mehr. Das kann manchmal schon richtig nerven. Oft stehen auch Leute, die nach Geld fragen, zwischen zwei Fahrspuren und die kann man in dem ganzen Verkehrschaos auch schnell übersehen. Gefährlich finde ich auch die Highway-Abfahrten. Da ist man dann auf der linken Spur und muss innerhalb von 50 Metern vier Spuren nach rechts wechseln und dabei kommen ja auch noch Autos von hinten. Das ist manchmal gar nicht so einfach.
  14. (Fried) Chicken ist das Hauptnahrungsmittel meiner Senioren. 
  15. Ich habe nach sechs Monaten jetzt auch mal rausgefunden wie man hier das normale Autolicht anstatt das Fernlicht anstellt..
  16. Manche meiner Seniorinnen sind mehr an meinem Liebesleben interessiert als an den Breaking News im TV.
  17. Selbst wenn manche Senioren dir beim Aufstehen entgegenpupsen, laut in deine Richtung rülpsen, dir beim Sprechen unidentifizierbare Essenreste auf die Hose spucken oder dir (sehr sehr) feuchte Schmatzer auf die Wange geben.. man überlebt!
  18. Die Amis lieben Deutschland. Der größte Traum - einmal über die Autobahn zu fahren. Oder sich richtig auf dem Oktoberfest zu besaufen. Überhaupt in der Öffentlichkeit zu trinken, das wäre doch mal richtig was. Und "I'm German too!" habe ich hier schon so oft gehört. Im Endeffekt ist die Person dann aber gar nicht deutsch. Die Oma hatte mal einen Mann dessen Schwester..
  19. Gerade mit meiner Arbeit bei Little Brothers ist mir aufgefallen wie wichtig es ist auf seine Mitmenschen zu achten. Einfach mal beim Überqueren der Straße seine Hilfe anbieten, den Einkauf tragen.. oder einfach mal ein bisschen mehr lächeln!
  20. Religion ist vielen Amerikanern sehr wichtig. Selbst in meiner Schulzeit auf einem katholischen Gymnasium wurde ich nicht so viel und oft mit Gott konfrontiert wie hier. Und meine Senioren beten auch einfach alles Schlechte weg. Gewitter? Schmerzen? Trump? Einfach wegbeten.
  21. Man meint, dass man hier keine politische Meinung haben darf bis man sie sich in Stickerform aufs Auto klebt. So viele (dämliche) Sticker wie hier habe ich wirklich noch nie gesehen.
  22. In den USA muss man eigentlich in keinen einzigen Laden rein. Für alles gibts ja einen Drive-Thru. Geld abholen - Drive-Thru. Rezept einlösen - Drive-Thru. Es soll hier sogar Drive-Thrus in Beerdigungsinstituten und Bars geben..
  23. Und wenn wir gerade schon beim Thema Beerdigung sind. Wenn eine Autokolonne von einer Beerdigung kommt oder dorthin fährt, dann haben sie so ein neonfarbenes Schild in der Windschutzscheibe und dürfen alle über rot fahren. Allerdings hab ich noch nicht rausgefunden ob das immer so ist oder nur bei "besonderen" Beerdigungen. 

Und eins der wichtigsten Dinge die ich bis jetzt gelernt habe: man muss keine Angst vorm Älterwerden haben. Irgendwann machen die Beine nicht mehr so mit, die Finger funktionieren nicht so wie früher und es fällt einem etwas schwerer sich an bestimmte Dinge zu erinnern - aber was ich hier tagtäglich erlebe sind glückliche, dankbare und lustige Senioren, die, genau wie wir, das Leben in vollsten Zügen genießen wollen! Sie machen sich schick, unterhalten sich über die Nachrichten, schlagen sich den Bauch mit gutem Essen voll, benutzen das Internet, lachen über andere und sich selbst, lästern, flirten, freuen sich. Little Brothers ist mir wirklich ans Herz gewachsen und deswegen würde ich mich umso mehr freuen, wenn ihr mich weiterhin bei meinem Projekt unterstützt. Ich habe bis jetzt 2.803€ an Spenden gesammelt - das ist unglaublich und dafür möchte ich mich ganz herzlich bei allen Spendern bedanken! Ihr seid der Wahnsinn Um mein Spendenziel zu erreichen fehlen mir noch 897€. Falls Dir mein Projekt und mein Blog gefällt wäre ich Dir für eine Spende auf mein Spendenkonto sehr dankbar:

 

World-Horizon

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Verwendungszweck: Spende, Kim Vielmal 

 

Ganz viel Liebe 

Kim


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Valentinstag

Love is in the air

Noch nie habe ich Valentinstag so zelebriert wie dieses Jahr. Gleich vier Mal - und das sogar noch vor dem 14. Februar. Beim Creative Café Ende Januar haben wir mit den Senioren kleine Holzhäuser und "I love you" Schilder bemalt. Es war richtig süß wie konzentriert sie alle die Farben ausgesucht und gemalt haben! Letzte Woche hatten wir das Valentine's Day Luncheon, zu dem ich zwei meiner Seniorinnen abgeholt habe. Es gab neben dem guten Essen noch Musik von einer Jazzband und kleine Geschenke für die Senioren. Auch die Staff Birthday Party für alle Mitarbeiter, die im Januar und Februar Geburtstag haben, war eine Pre-Valentine's-Party. Schokoherzen, Pancakes in Herzform, Love-Buttons zum Anstecken.. Zwei Tage später war der Movie Club - und da durfte die Romantik natürlich auch nicht fehlen - wir haben den Film Valentine's Day geguckt! Und jedes Mal wenn im Film geflucht oder geknutscht wurde fingen die Damen um mich herum nur an zu kichern..

Ich wollte meinen Senioren, die nicht zu einem der Events kommen konnten, aber auch eine kleine Freude machen und habe ihnen Valentine's Bags mit Schokokussmündern, Hershey Kisses, Bonbons und mehr befüllt. Sie haben sich alle sehr gefreut! Ein komischer Valentinsbesuch war aber auch dabei. Eine meiner Seniorinnen im Nursing Home, Miss E., ist momentan sehr krank und muss mit Oxygen aus einem Atemschlauch versorgt werden. Sie war so schwach, dass sie nichtmals den kleinen Teddy halten konnte den ich ihr geschenkt hatte.. Das war irgendwie ganz erschreckend, weil sie sonst eigentlich sehr fit ist. Miss E. hat mir dann erzählt, dass ihre Schwester sie vor ein paar Tagen besucht hätte.. und dass diese Schwester ja eigentlich vor ein paar Jahren gestorben ist. Eines Tages wäre sie allerdings von den Toten auferstanden und seitdem würde sie Miss E. regelmäßig besuchen gehen. Etwas sprachlos saß ich dann neben Miss E. auf dem Bett. Sie wechselte auch gleich das Thema und erzählte mir von ihrem süßen Hund. Was sie denn früher für einen Hund gehabt hätte, fragte ich sie, und da guckte sie mich nur komisch an und meinte, dass der Hund doch gleich neben mir liegt?! Ich könne doch einfach gucken. Sogar streicheln dürfte ich ihn. Neben mir lag allerdings kein Hund.. das war irgendwie schon etwas gruselig. Sie kam mir bei diesem Besuch sehr verwirrt vor. So "nicht so ganz da" mäßig. Aber im Endeffekt mag es ja wirklich sein, dass sie regelmäßig ihre Schwester und ihren Hund sieht. Nur sehen wir es eben nicht.. wer weiß.

Am eigentlichen Valentinstag habe ich meine Mitbewohnerinnen mit Herzluftballons und Valentinskarten überrascht und habe dann meinen Tag mit vier Senioren verbracht. Ich habe sogar ein kleines Geschenk von Miss A. bekommen: eine Dose Spaghetti mit Meatballs. Damit ich abends nicht mehr kochen müsste.. die Senioren wissen eben was gut ist Abends habe ich dann aber trotzdem zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen "gekocht" (Pizza, Salat und Schokokuchen..) und ganz viel gequatscht. Ein richtiger Galentine's Day also Lange muss ich auf den nächsten Valentinstag auch nicht warten. Am Samstag arbeite ich nämlich für eine Little Brothers Family Reunion. Das Motto? Valentinstag!

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