Halloween

Halloween

Mehr Halloween Bilder findest Du wenn Du aufs Bild klickst!
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31. Oktober

Halloween. Das haben wir dieses Jahr nicht einmal, nicht zweimal, nicht dreimal, sondern ganze viermal gefeiert. Am Samstag den 22. Oktober waren meine Mitbewohnerin und ich in der Stadt um uns das Halloween Gathering anzuschauen - eine Parade voller verkleideter Menschen, die durch Downtown laufen und Musik spielen. Es war richtig schön die verschiedenen Kostüme zu sehen, die teilweise aus traditioneller Kleidung bestimmter Länder bestanden. Und die ganzen Kids, die laut losschrien wenn jemand aus der Parade versuchte sie zu erschrecken. Wir hatten gar nicht so viel von der Parade erwartet und waren dann richtig überrascht als wir auf die Uhr schauten und merkten, dass sie doch tatsächlich zwei Stunden lang ging. Das war auf jeden Fall der perfekte Start in die Halloweenwoche!

Allerdings fehlte mir für die kommenden Halloween Parties noch ein Kostüm. Hier in den USA eröffnen im Oktober viele kurzzeitige Kostümshops.. aber die sind richtig teuer. Also hoffte ich auf Inspirationen im "Dollar Tree" (meinem absoluten Lieblingsladen.. da kostet nämlich ALLES nur 1 Dollar). Als ich dort ankam war aber nichts mehr mit Halloween, es war schon alles für Weihnachten dekoriert. Da habe ich dann spontan entschieden Schneeflocken-Deko zu kaufen und Schneeflöckchen zu werden!

Am Mittwoch fand die Halloween Party für unsere Elders bei Little Brothers statt für die wir uns alle verkleideten. Ich bin dann in Kostüm durch die halbe Stadt gefahren, um eine meiner Seniorinnen, Miss E., aus ihrem Nursing Home abzuholen. Sie saß schon wie bestellt und nicht abgeholt in der Lobby - das hab ich aber erst bemerkt nachdem ich den kompletten Flur mit der Krankenschwester nach ihr abgesucht habe, weil ich sie nicht in ihrem Zimmer finden konnte. Ein paar Schneeflocken habe ich bei der Suchaktion auch verloren, aber dann hat eben jeder auf der Station was davon. Sogar die Putzfrau. Nachdem Miss E. und ich dank monsunartigem Super-Regen etwas verspätet dann auch bei Little Brothers angekommen waren, gab es ein richtig leckeres dreigängiges Lunch, welches auch dieses Mal wieder vom Peninsula Hotel in Chicago gespendet wurde. Zwischen den Gängen hat ein Magier an jedem Tisch ein paar Tricks vorgeführt.. meine Seniorin hat das aber eher weniger interessiert. Sie wollte nur wissen wie viel sie denn dabei gewinnen könne und als ich ihr sagte, dass es nix zu gewinnen gibt, hob sie nur die Augenbraue und ignorierte den Magier gekonnt. Zwei der Seniorinnen, die auch an unserem Tisch saßen, haben uns noch gefragt ob Miss E. denn meine Mutter wäre.. Na klaro, haben wir dann gesagt und das ist jetzt unser neuer Running Gag. Nach dem Lunch konnten die Elders noch durch das Gebäude "trick or treat"en. Besser gesagt: Jeder Senior hat eine Tüte in die Hand bekommen und einige Mitarbeiter haben ihnen dann die Süßigkeiten in die Tüte gegeben. Es war eine richtig schöne Feier und die Mitarbeiter haben sich wirklich alle viel Mühe gegeben. Die Elders waren alle begeistert!

Am Freitag waren wir auf der Hausparty von zwei unserer Mitfreiwilligen. Mit roten Plastikbechern und Beerpong war es auch so richtig schön amerikanisch! Samstags hatten meine Mitbewohnerinnen und ich uns Karten für einen Halloween-Barcrawl gekauft. Bei der ersten Station angekommen wurde uns dann aber gesagt, dass heute gar kein Barcrawl stattfinden würde. Nach zehnminütiger Türsteher-Diskussion und mehreren "I don't get it"s ist mir dann aufgefallen dass wir uns Karten für den Barcrawl einen Tag vorher gekauft hatten. Der war ja dann leider schon vorbei. Wir haben dann einfach unseren eigenen Barcrawl gestartet und mussten im Endeffekt eh nur über unsere Doofheit lachen. Es war an dem Abend suuuper voll in der Stadt und den Menschen dort ging es nicht anders, die waren nämlich auch alle voll. Das war ein 1. Klasse Entertainment sich das anzusehen. Kalt war es anscheinend auch niemandem, denn die Mädels trugen größtenteils ein Hauch von nichts und auch der ein oder andere Mann verzichtete auch auf Hose oder Oberteil. Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß!

Am Montag, dem eigentlichen Halloween-Tag, hatten wir von Halloween dann auch genug und sind zuhause geblieben. Eine Kürbissuppe und der Film "Hokus Pokus" musste aber trotzdem sein :)

P.S.: Mein Homepage-Bilder-Speicherlimit ist erreicht - deswegen gibts meine Fotos jetzt auf Flickr! >>


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Showtime

Showtime

30. Oktober

Miss F., eine meiner Seniorinnen, wollte unbedingt zur Steve Harvey Show gehen, die hier in Chicago gedreht wird. Steve Harvey ist in den USA ein bekannter Moderator und Comedian (und ist auch derjenige, der die Bekanntgabe der Miss Universe letztes Jahr verpatzt hat... J). Für die Show muss man Tickets im Internet bestellen, die umsonst und nicht so einfach zu kriegen sind. Man braucht also ein bisschen Glück - und das hatten wir! J Nachdem uns die Tickets zugeschickt wurden, bekam ich eine Mail von einer Mitarbeiterin der Show, die mich fragte ob ich Lust hätte ein "Ask Steve" zu sein. Keine Ahnung was das sein sollte.. also hab ich einfach mal ja gesagt J Auf Youtube habe ich dann gesehen, dass man als "Ask Steve" im Publikum sitzt und Steve dann eine Frage stellt - ob ernst gemeint oder nicht ist dabei erst mal Nebensache. In der Show sieht das alles total spontan aus, ist es im Endeffekt aber natürlich gar nicht.

Letzten Dienstag habe ich Miss F. also von zuhause abgeholt, um mit ihr zur Show zu gehen. Sie hat mein "They said we should dress fancy" sehr ernst genommen und kam mir mit Super-Afro und neonpinker Jacke entgegen - ich habe sie also erst mal gar nicht erkannt (und wunderte mich wer da so zielstrebig auf mein Auto zukommt J). Die Show wird im NBC Tower in Downtown Chicago gedreht und als wir dort ankamen wurden wir dank meiner "Ask Steve"-Zusage erstmal ganz elegant an der Zuschauer-Schlange vorbeigewunken und von einem Produzenten abgeholt, der uns in einen Warteraum begleitete. Dort wurde ich dann von Make-Up Artists begutachtet und musste meine Frage drei Mal proben. Hahaha, auf was hatte ich mich da eigentlich eingelassen? Miss F. fand das alles natürlich wunderbar aufregend und fragte die Mitarbeiter über Gott und die Welt aus - wie sie denn den Job bei NBC bekommen hätten, wie das da alles abläuft und ob sie später bitte mit Steve Harvey privat sprechen könnte, sie hätte da nämlich ein paar Fragen! Wir wurden dann irgendwann zu unseren Sitzplätzen begleitet und konnten leider nicht zusammen sitzen - ich durfte nämlich schön ganz nach vorne in die erste Reihe! So langsam wurde mir dann doch etwas schlecht und ich habe mich selbst heimlich ein bisschen verflucht. Vor Beginn der Show hat ein Mitarbeiter dann Stimmung gemacht - und zwar richtig. Ich habe mich fast gefühlt wie in einem Club an einem Samstagabend! Hier macht im Publikum aber auch einfach jeder mit, egal ob's peinlich ist oder doof aussieht. Richtig cool! Nachdem wir dann alle etwas locker waren (ganz besonders die beiden Woo-Girls neben mir, die in ihren FlipFlops mit Absatz kaum mehr zu halten waren), kam Steve Harvey dann auf die Bühne und moderierte seine Show. Es wurde alles durcheinander gedreht - erst die Interviews mit den Gästen (Taraji Henson, die in "Empire" mitspielt und George Lopez, ein amerikanischer Comedian), dann das Ende, dann der Anfang und so weiter. Das komplette Publikum bekam die Autobiografie von Taraji Henson geschenkt und als Steve das verkündete mussten wir natürlich ausrasten als gäbs kein Morgen mehr - halt ganz so wie im echten Leben. Irgendwann flackerte dann "Ask Steve" auf dem Bildschirm auf und Steve fragte wo denn Kim sitzen würde. Ich musste dann aufstehen, mir wurde ein Mikro gereicht und ich stellte meine Frage. Es war so herrlich peinlich aber gleichzeitig auch sehr witzig! Insgesamt ging die Show richtig lange und am Ende hat Steve einfach noch ein bisschen aus seinem Leben erzählt. Es ging dabei auch sehr viel um Gott. Wenn die Leute im Publikum mit irgendetwas einverstanden waren, bejahten sie das dann manchmal mit einem lauten "Amen" oder "God is good" J Es war aber gar nicht überdreht, sondern irgendwie richtig schön. Und eine Sache hat er gesagt, die mir ganz besonders im Kopf geblieben ist: stell dir vor du würdest morgens aufwachen und alles was dir geblieben ist sind die Sachen für die du am Abend zuvor dankbar warst. Das hat mich irgendwie zum Nachdenken gebracht. Ich zum Beispiel bin dankbar hier in Chicago sein zu dürfen, ich bin dankbar für meine Familie, meine Freunde, mein Leben. Aber wie oft bin ich wirklich ganz bewusst dankbar für das alles? Und gibt es nicht noch viel mehr für das ich jeden einzelnen Tag dankbar sein sollte?

Und jetzt mal nicht mehr ganz so ernst und tiefgründig: auch sonst war die Woche bei Little Brothers richtig harte Arbeit - wir waren nämlich mit unseren Elders im Casino und im Zirkus J Im Casino haben wir mehr gegessen als gespielt, weil es dort so ein superleckeres Buffet gab! Wow. Und der Zirkus war super! Es wurde dort auch richtig guter HipHop gespielt und die vielen Schulklassen im Publikum haben so cool dazu getanzt - das war für uns und die Elders schon Entertainment genug. Das einzige was nicht hätte sein müssen waren die Elefanten - ich finde es ganz schrecklich mit anzusehen, wie so große Tiere in dieser kleiner Manege ihre Tricks vorführen müssen.. Ein Highlight für all unsere weiblichen Elders waren aber sicherlich die oberkörperfreien Akrobaten. Da gabs dann einen extra lauten Applaus.


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Roadtrip: Toronto & Niagara Falls

Roadtrip: Toronto & Niagara Falls

...oder wie man 2050 Km in drei Tagen zurücklegt.

19. Oktober

Ich weiß gar nicht so genau warum, aber ich wollte schon immer die Niagarafälle sehen - das war ein richtiger Traum von mir! Vor zwei, drei Wochen haben Sara, Delphine und ich uns dann spontan überlegt doch einfach mit dem Auto dort hinzufahren. Es sind nämlich "nur" achteinhalb Stunden von Chicago aus und das ist für amerikanische Verhältnisse wirklich nicht viel. Auf der Karte haben wir dann gesehen, dass die Niagarafälle gar nicht weit von Toronto entfernt sind. Also haben wir uns dann vorgenommen in Toronto zu schlafen und dann von dort aus zu den Niagarafällen zu fahren. Planung hin, Planung her - bis Mittwochabend hatten wir noch kein Auto gebucht (die Preise für Mietwagen sind hier super unübersichtlich) und bis wir losgefahren sind auch noch keine Unterkunft. Also, ja, man kann wohl fast behaupten ich hätte mich dem american lifestyle etwas angepasst - go with the flow!

Um 5 Uhr morgens ging es am Freitag dann also los. Wir sind an bunten Wäldern, kleinen Berge, blauen Seen vorbeigefahren - richtig schön! An unzähligen toten Tieren am Straßenrand - weniger schön. Ein paar Tank-; Fast-Food-und Grenz-Stopps später waren wir dann nach 12 (!) Stunden auch schon in Toronto angekommen. Das war aber gar kein Problem, denn Sami, unser Couchsurfing-Host der uns netterweise kurzfristig aufgenommen hat, wartete schon mit einem selbstgemachten Dinner auf uns. Wow! Danach sind wir dann mit ihm und seinen Freunden in die Stadt gefahren und haben uns das Baseball-Spiel der Toronto Blue Jays in einer Sportbar angeguckt. Wir haben von Baseball zwar überhaupt gar keine Ahnung aber wir waren glücklicherweise nicht die einzigen. Ab und zu mal "good shot" reinrufen, das passt meistens. Danach waren wir noch in einer anderen Bar, in der eine Band aus Toronto gespielt hat. Es war sehr cool aber wir waren leider richtig müde und sind kurze Zeit später auch halbtot ins Bett gefallen.

Am Samstag sind wir dann morgens von Toronto nach Niagara Falls gefahren. Ich hatte gar keine Ahnung wie es dort aussieht und war umso mehr überrascht, dass die Stadt schon von Weitem aussieht wie Las Vegas in klein. Ein paar große Hotels, ein Fernsehturm und mehrere Casinos. Wir haben dann geparkt und sind den "Clifton Hill" runtergelaufen, eine bunte Straße voller Restaurants, Minigolfplätzen, Haunted Houses, Candyshops und Souvenirläden. Obwohl keine Wolke am Himmel zu sehen war hat es genieselt - das kam von den Wasserfällen! Wir sind dann immer weiter in Richtung Nieselregen gelaufen und bald konnten wir die Wasserfälle schon sehen. Atemberaubend! Ich stand erstmal minutenlang da und habe einfach nur gestarrt. Ich habe noch nie sowas Tolles gesehen und hatte wirklich Tränen in den Augen. Ja, das hört sich total übertrieben und super melancholisch an, aber die Niagarafälle sind wirklich einfach nur schön! Sie bestehen aus zwei großen Wasserfällen - den American Falls (inklusive Bridal Veil Falls), der auf der amerikanischen Seite ist und den Horseshoe Falls, der auf der kanadischen Seite liegt. Von unserer Seite, also der kanadischen, aus hatte man aber einen perfekten Blick auf beide (falls ihr also mal dort sein solltet, besucht auf jeden Fall die kanadische und nicht die amerikanische Seite!). Hunderte Fotos, Selfies und "Oooh"s spaeter haben wir dann noch eine Bootstour gemacht, bei der man bis kurz vor die Horseshoe Falls gefahren ist. Trotz unserer sexy Regencapes, die wir dort bekommen haben, wurden wir komplett nass - jeder auf dem Boot hat ein paar Mal vor sich hingeschrien, sich irgendwo festgekrallt um nicht auszurutschen und irgendwie versucht Fotos zu machen. Es war super witzig!

Auf dem Rückweg nach Toronto sind wir noch durch die Stadt Niagara-on-the-lake gefahren und haben uns die schönen Häuser dort angeguckt. Danach sind wir nach Downtown Toronto gefahren und haben uns den CN Tower von unten angeguckt. Wie riiiiesig der einfach ist! Wir sind die Lakefront entlanggelaufen und später zu unserem Couchsurfing-Zuhause gefahren. Sami hat da auch wieder mit einem kompletten Dinner auf uns gewartet. Wie lieb!

Am Sonntag ging es dann nach einem Super-Frühstück von unserem Super-Host wieder nach Hause. Insgesamt sind wir 2050 Kilometer in drei Tagen gefahren - und haben dafür umgerechnet gerade mal 78€ an Sprit gezahlt! Der nächste Roadtrip kann also kommen :)


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Draketober

Draketober

13. Oktober

Am 05. Oktober war es soweit - Draaaake (und Future) in Chicagooo! Mit einer Freundin bin ich erst bei uns um die Ecke etwas essen gegangen und von dort aus sind wir zum United Center gelaufen, was nur 10 Minuten von meinem Appartment entfernt ist. Das United Center ist ein bisschen kleiner als die Kölnarena, aber viel beeindruckender. Es hängen zum Beispiel riesengroße Banner an der Decke auf denen die Meisterschafts-Siege der Chicago Bulls aufgelistet sind. Die spielen nämlich sonst hier. Um 18:30 sollte das Konzert anfangen und drei (!) Stunden später war es dann auch schon so weit! Zwischenzeitlich hatte ein Rapper gerappt, ein Sänger gesungen und ein DJ gedj't - aber drei Stunden Warten waren schon ganz schön lange. Die Show war aber umso cooler und ich war von Anfang bis Ende völlig im Fangirl-Modus... schreien, mitsingen, rumspringen, glücklich sein. Es war mega mega gut und ich singe jetzt noch lauter zu all seinen Songs, die hier im Radio laufen.

Auch neben dem Konzert habe ich viel erlebt: die "Presidential Debate", gemütliche Abende mit meinen Mitbewohnerinnen, Pumpkinsoup, Pumpkinpie, Pumpkin-everything, erste Erfolgserlebnisse im Fitnessstudio (und das obwohl ich hier jeden Tag für mindestens drei Menschen esse), eine "Babyshower" für drei Mitarbeiterinnen von Little Brothers, die bald Mamas werden, schöne sonnige Herbsttage in der Stadt, Lagerfeuer und mein erstes S'more (gerösteter Marshmallow und Hershey's Schokolade zwischen zwei süßen Graham Crackers - klingt eklig, ist auch ein bisschen eklig, aber irgendwie auch richtig gut) und feiern mit Freundinnen! Am Montag waren wir zum Beispiel spontan in einer Bar, in der eine Performance von mehreren Leuten stattfand. Es ging dort um Gender-Freiheit oder wie auch immer man es nennen möchte - der Raum war also voll von Männern, die wie Frauen aussehen, Frauen, die wie Männer aussehen, Frauen-Frauen, Männern-Männern, Schwulen, Lesben, irgendwas dazwischen, bunten Haarfarben, Super-Hipstern. Und ganz vorne auf der Bühne eine splitternackte Frau Ende zwanzig, die gemütlich auf dem Stuhl saß und die Show moderierte. Wir kamen genau zum richtigen Zeitpunkt, denn es war Confession-Round und die Leute riefen dann ihre Geheimnisse aus dem Publikum und der Rest klatschte dann Beifall. Die Geheimnisse waren auch nicht gerade unpersönlich. Es war alles so abgedreht, aber irgendwie hatte es was. Ein Mädchen hat dann noch gesungen und das tat ganz dolle in den Ohren weh, aber jeder hat sie total unterstützt und ihr liebe Worte zugerufen. Sie war happy und wir waren es dann einfach auch.

Und auch von meinen lieben Elders kann ich wieder ein paar Geschichten erzählen! Miss A. habe ich ein paar schöne Blumen mitgebracht. Sie hielt die Blumen ganz nah vor ihr Gesicht, atmete begeistert tief ein und aus - dass die Blumen aus Plastik waren störte sie dabei wenig. Ich hab ihr außerdem ein paar bunte Bleistifte mitgebracht, die sie so toll fand, dass sie sie in ihre Haare steckte (und sich dann wunderte wo denn bloß die ganzen Stifte wären). Miss A. ist 98 Jahre alt und super klein und zierlich. Man könnte fast meinen sie würde gleich zerbrechen, aber sie ist trotzdem richtig hibbelig und hat (wirklich ganz ernst gemeint) genau den gleichen Humor wie ich. Veräppeln tut sie mich auch! Sie hat früher als Kosmetikerin gearbeitet und findet es total traurig, dass ihre Nägel gar nicht mehr so toll aussehen wie früher. Also bringe ich nächstes Mal Nagellack mit und wir machen einen Girl's Day!

Miss T. wohnt wie Miss A. auch in einem Nursing Home und ihr wurde vor Monaten ihr linkes Bein amputiert. Ihrer Zimmernachbarin aber das rechte - also teilen sich die beiden ihre Schuhe und freuen sich, dass sie nur die Hälfte des Schuhpaares bezahlen müssen. Miss T. redet unglaublich leise und manchmal verstehe ich sie sehr schlecht. Wenn sie dann aber neugierig nach meinem Liebesleben fragt, ist ihre Stimme plötzlich viel lauter. Haha.

Mister A., mein nackter Senior, war dieses Mal nicht ganz so nackt, hat aber dafür trotzdem wieder sehr viel geweint. Es ist einfach so niedlich, wie er da in seinem Rollstuhl sitzt, sein Gospellied singt (es ist immer das gleiche) und ihm dann die Tränen die Wange runterkullern. Er lacht dann selbst über sich und sagt, dass er sich einfach nicht unter Kontrolle hätte sobald er Gospel singen würde!

Mit Miss B. war ich ein Eis essen und unsere Gesprächsthemen drehten sich hauptsächlich um Krankheiten, Verstopfung und wie der Körper sich generell im Alter verändert. Passend zum Essen also. Die Senioren erzählen einem wirklich manchmal im kleinsten Detail was wie, wo, wann aus ihnen rauskommt, wegoperiert oder dranoperiert wurde und da muss man manchmal schon hart im Nehmen sein...

Mit Miss D. war ich beim Lunch und sie hat mir von ihren Männergeschichten erzählt, zum Beispiel vom verheirateten Pastor mit dem sie eine jahrelange Affäre hatte. Sie sagt das sei allerdings schon lange her und sie hätte schon gerne einen Mann in ihrem Leben. Bei Little Brothers würde sie wohl keinen finden, weil da ja alle Männer total alt wären und nur auf Krücken laufen würden! Vielleicht sollte ich mal ein Tinder für Senioren 70+ erfinden, das wäre bei Little Brothers sicherlich der Renner.

Miss F., das strenge Rücksitz-Navigationssystem von meinem letzten Blogeintrag, empfing mich dieses Mal mit sanfteren Tönen und machte uns einen Tee. Wir kamen dann auf das Brain Fitness Program zu sprechen, welches hier mehrmals die Woche bei Little Brothers angeboten wird um den Senioren beizubringen wie man einen Computer benutzt. Miss F. wolle da nämlich unbedingt hin, weil sie Karten für die Steve Harvey Show bestellen möchte. Ich sagte ihr dann dass wir das auch über mein Handy machen können - ein paar Mails später bekam ich dann Bescheid, dass es geklappt hat und wir beide nächsten Dienstag zur Steve Harvey Show gehen!

Miss B. und ich wollten eigentlich einen Kaffee trinken gehen, beschlossen dann aber einen kleinen Roadtrip in die nördlichen Suburbs von Chicago zu machen. Es war richtig schönes Herbstwetter und wir sind vorbei an der Northwestern University, dem Baha'i Temple und vielen wunderwunderschönen riesigen Villen bis in den Norden gefahren und wieder zurück. Ich habe irgendwann das Ortsschild von Winnetka gesehen und... da war doch was. Tim, der ehemalige deutsche Freiwillige hier, hatte mir erzählt, dass dort das Haus steht, in dem Kevin - Allein zu Haus gedreht wurde. Da musste ich natürlich hin! Auch wenn Miss B. nicht ganz verstand warum ich mir denn unbedingt irgendsoein popeliges Haus angucken will. Das Haus steht wirklich einfach so unscheinbar zwischen anderen unscheinbaren Häusern, aber ich fand es total aufregend. Ich gucke den Film jedes Jahr mindestens ein Mal und kenne ihn so gut wie auswendig. Und jetzt stand ich einfach genau da!! Yay!

Mit meiner lieben Miss C. habe ich mich über das Leben nach dem Tod unterhalten und ich fragte sie, ob sie glaubt, dass man nach dem Tod einfach weg ist oder irgendwo, irgendwie weiterlebt. Als Antwort drückte sie mir eine Bibel in die Hand und sagte mir, dass man das doch einfach dort nachlesen kann. Ich müsste viel mehr in der Bibel lesen und mehr beten. Ich habe dazu mal nichts gesagt und mich einfach für die Bibel bedankt - sie steht jetzt bei mir auf dem Schrank und wird dort auch erstmal bleiben.

Und zu guter letzt gibt es noch einen Senioren, den ich nicht besuche, der aber komischerweise immer da ist wo ich auch bin, wenn ich das Nursing Home besuche, in dem er auch wohnt. Er sagte er sei der reichste Mann der Welt und er könnte mich ja adoptieren. Er mag Deutsche ja auch sehr gerne, er akzeptiere mich dann auch als seine Tochter, selbst wenn ich nicht deutsch aussehe. Na dann ist doch alles wunderbar!


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