1-month anniversary

1-Month Anniversary!

27. September

Einen Monat bin ich jetzt hier. Wenn ich an meinen Abschied denke dann kommt mir der Monat vor wie ein Jahr. Aber wenn ich an meine Erlebnisse hier denke, dann kommt mir der Monat vor wie ein paar Tage!

Vorletztes Wochenende war ich mit Delphine in Lincoln Park, einem Stadtteil im Norden Chicagos. Dort gibt es unter anderem einen Zoo, den man komplett umsonst besuchen kann. Da mussten wir natürlich hin J Der Zoo ist relativ groß - der Platz für die Tiere aber trotzdem ganz schön klein. Ganz so wohl haben wir uns damit nicht gefühlt und sind dann ins Conservatory nebenan gegangen. Das ist so was wie ein Tropenhaus mit vielen verschiedenen Pflanzen. Und das war richtig schön! Danach waren wir in einer typischen Sportbar essen und es gab zur Abwechslung mal einen Salat (Bier und Pommes auf dem Foto an dieser Stelle bitte einfach wegdenken). Ein sehr schöner Tag!

Am Mittwoch habe ich Besuch aus Deutschland bekommen! Selina, mit der ich zusammen meinen Master in Leiden gemacht habe, ist momentan mit einem Freund auf USA-Rundreise und sie haben auch einen Stopp in Chicago gemacht. Zu diesem Anlass gab es natürlich eine Deep Dish Pizza J Danach waren wir in einer Rooftop Bar, von der man einen mega tollen Blick über den Millennium Park hatte. Eigentlich hatten wir gar nicht geplant noch wegzugehen... wir sind dann aber trotzdem durch ein paar Zufälle in einer verrückten Bar in Wrigleyville gelandet, in der wir bis morgens getanzt haben. Beziehungsweise Baseball gespielt. Ja, man konnte in der Bar Baseball spielen! Und als wäre das nicht genug gab es im Nebenraum zwei Klavierspieler, die gleichzeitig und gegeneinander Lieder gespielt haben. Der Bessere bekam dann Geld in einen Topf auf seinem Klavier. So viel zum Thema normal feiern geht hier nicht J

Letzten Freitag waren wir mit anderen Couchsurfern in einer Bar. Es gab dort KÖLSCH. Richtig echtes Reissdorf Kölsch. Aus dem Zapfhahn! Da musste ich ja gezwungenermaßen erstmal zuschlagen.

Am nächsten Tag war dann Museumstag und man konnte einige Museen kostenlos besuchen. Wir sind ins Planetarium gegangen, weil es sonst relativ teuer ist und man von dort einen tollen Blick auf die Skyline hat. Es war seeehr schön! Danach waren wir noch ein bisschen in Downtown und haben die letzten Sonnenstrahlen im Millennium Park genossen... bevor es dann los ging zu einer 90s Party in der Beauty Bar J

Und wie ihr seht, ich lebe noch - auch nach meinen ersten "Allein-Tagen" bei Little Brothers. Am ersten Tag an dem ich alles selbst geplant habe und alleine durch die Stadt gefahren bin, war ich wirklich richtig nervös und musste mir ein paar Mal selbst gut zureden. Mit Handynavi und zwei supersüßen Elders wurde der Tag aber richtig schön und es war gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir waren zuerst bei Applebee's essen und haben danach eine kleine Shoppingtour durch den Walmart gemacht.

 

Die darauffolgenden zwei Wochen habe ich auch sehr viel mit meinen Elders erlebt - allerdings lief nicht alles wie am Schnürchen..

An einem Tag habe ich Matilde, unsere neue Kollegin aus Frankreich, zu meinen Besuchen mitgenommen. Wir haben zuerst Miss F. besucht, die uns fragte ob wir mit ihr zu einem Supermarkt fahren könnten. Leichtsinnig wie wir waren haben wir natürlich zugestimmt und sind ihren Directions, die sie uns vom Rücksitz zurief, gefolgt. Und ja, das nennt man leichtsinnig. Man kommt dann nämlich niemals dort an wo man hin will und schon gar nicht schnell J. So fuhren wir also gefühlt durch die halbe Stadt und lauschten den gar nicht mal so freundlichen Tönen vom Rücksitz. Als ich es wagte mein Handy-Navi zur Hand zu nehmen erntete ich nur einen bösen Blick. Irgendwann sind wir dann aber trotzdem angekommen und da brauchten wir zur Beruhigung erstmal einen Smoothie. Und der Tag wurde nicht einfacher.. Zur nächsten Seniorin, Miss A., waren wir dank des ausgearteten Shoppingtrips natürlich zu spät. Obwohl wir Cheeseburger und Pommes für Miss A. dabei hatten empfing sie uns nicht ganz so nett - es war mehr so: "Yo, where's my food at?". Auch während unseres Besuchs taute sie nicht wirklich auf und die Krönung war natürlich, dass ich das Puzzlebuch was ich ihr gekauft hatte, im Auto vergessen hab. Wie konnte ich das bloß wagen!? Nachdem ich es ihr dann aus dem Auto geholt hatte und sie noch ein paar Mal böse vor sich hin geschnaubt hat war es dann aber auch gut und später war sie dann (verhältnismäßigJ) nett.

Bei meinem Besuch bei Miss D. drehte es sich größtenteils um den Kuchen, den ich ihr nicht gekauft hatte (obwohl ich ihr extra ihr Wunsch-Eis mitgebracht habe). Beim Abschied musste sie mir dann nochmal mit einem gekünstelten Lächeln sagen wie gerne sie doch jetzt einen Kuchen essen würde aber, tja, sie hätte dank mir ja leider keinen!!

Ja.. die Elders sind nicht immer nur zuckersüß und superlieb J. Aber so ist das ja auch bei uns. Wir müssen uns ja auch erstmal an neue Menschen gewöhnen und schlechte Tage gibt es immer mal. Trotzdem ist man bei solchen schwierigen Besuchen erstmal etwas überfordert und weiß nicht so recht wohin mit sich. Dafür gibt es aber eben auch hundert Mal so viele schöne Momente hier bei Little Brothers J Zum Beispiel habe ich Miss N., die in einem Nursing Home wohnt, ein pinkes Glitzernotizbuch mitgebracht, damit sie die Addressen ihrer Verwandten dort reinschreiben kann. Ich sagte ihr dann dass ich mir nicht sicher war, ob sie die Farbe überhaupt mag - da lächelte sie mich nur schief von der Seite an und sagte, dass alles was ich ihr bringe schön sei.

Oder: Miss B. hatte letzte Woche Geburtstag und so habe ich ihr eine "Birthday Bag" vorbeigebracht - eine Little Brothers Tüte voller kleiner Geburtstagsgeschenke, die teilweise von Schulkindern aus Chicago gemacht wurden. Sie packte die Geschenke aus und grinste über beide Ohren. Eines der Geschenke war ein einfacher Geldbeutel - aber als sie merkte, dass ihr Handy da auch noch perfekt reinpasst gab es fast kein Halten mehr J.

Und dann gab es noch diesen einen ganz besonderen Besuch. Der komischste und gleichzeitig schönste! Ich habe Mister A. in seinem Nursing Home besucht. Auch wenn er sich nicht mehr daran erinnern konnte wer ich bin, wusste er genau was Little Brothers ist. Er zeigte mir dann erstmal stolz alles was er jemals von Little Brothers bekommen hatte und lächelte vor sich hin. Wir haben dann ein bisschen gequatscht und er erzählte mir von einem Vorfall bei dem zwei Männer ihm auflauerten und mit Messern auf ihn einstachen (ob das allerdings wirklich so war weiß man nicht so richtig). Da fing er auf einmal ganz schlimm an zu weinen. Das war so richtig herzzereißend! Er wollte mir dann auch unbedingt seine Narbe zeigen, stand auf und zog seine Hose runter. Komplett. Nackt stand Mister A. dann vor mir und erklärte mir völlig ruhig wie das mit der Narbe denn genau passiert war. Etwas perplex schickte ich ein stilles Gebet gen Himmel und hoffte, dass bitte nicht genau in diesem Moment eine Krankenschwester das Zimmer betritt. Kurze Zeit später setzte sich Mister A. aber wieder hin und zog dabei glücklicherweise auch seine Hose mit hoch. Allerdings fing er wieder an zu schluchzen und ich schlug ihm vor, dass ich zur Ablenkung ja ein bisschen von mir erzählen könnte. Ich erzählte dann woher ich komme und was ich bis jetzt so in meinem Leben gemacht hab und dass ich ihn jetzt öfters besuchen kommen werde. Da fing er wieder schrecklich an zu schluchzen. Ich wusste gar nicht mehr wie ich ihn noch beruhigen könnte - bis er sagte, dass er gerade "tears of joy" weinen würde. Einfach weil er so glücklich sei, dass ich da bin. Hach! Später sang er dann noch ein paar Gospelsongs für mich und überredete mich zu einem Duett. Händchenhaltend saßen wir also in Mister A.'s Zimmer, sangen zusammen "You are my sunshine" und beschlossen bald eine Band zu gründen. So ein schöner Besuch, ich war richtig gerührt!

P.S.: Dieses Foto habe ich im Lincoln Park Zoo gemacht. Vielleicht will ich doch keinen Baby-Maulwurf mehr haben..


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Chicago, my kind of town

Chicago, my Kind of town

17. September

Oh Chicago... ich bin verliebt! Diese Stadt ist einfach mega! Unser Zuhause (und damit das Little Brothers Gebäude) liegt inmitten vieler Lagerhallen, das nächste Wohngebiet ist ein paar Straßen entfernt. Mit der Metro fährt man in Richtung Osten und ist innerhalb von ein paar Minuten mitten im Geschehen: in Downtown. Hier findet man Geschäfte, Touri-Hotspots wie Navy Pier, Millennium Park und Willis Tower, hektische Menschen und gefühlt an jeder Ecke einen Starbucks. Ich muss mich immer noch an den Anblick von Menschen gewöhnen, die laut mit sich selbst diskutieren. Die Kopfhörer die sie im Ohr haben sieht man nur immer erst so spät. Auch noch ungewohnt für mich ist es soo viele Menschen zu sehen, die auf der Straße leben. Ich werde hier jeden Tag mehrmals nach Geld gefragt und die Leute sprechen dich dabei meistens direkt an. Das kenne ich aus Deutschland gar nicht so und ich fühle mich schon immer schlecht wenn ich ihnen dann nichts gebe. Einige sind aber auch sehr komisch drauf und man möchte denen nachts eher nicht auf der Straße begegnen. Sie schreien rum, springen wild durch die Gegend oder beschimpfen Passanten. Auch ich wurde schon von einer Frau beschimpft. Sie meinte ich soll mal arbeiten gehen und nicht so faul sein, aber ob ich Geld für sie hätte hat sie dann trotzdem gefragt. Ich hätte mich fast für den Tipp bedankt, aber bin dann doch lieber einfach weitergegangen.

Geht man von uns 15-20 Minuten Richtung Norden ist man in Wicker Park, einer kompletten Hipster-Hochburg. Um hier nicht aufzufallen trinkt man Organic Lemonade aus Marmeladengläsern, shoppt in Thriftstores und ist insgesamt total hip und anti-mainstream. Das erinnert mich fast an so manche Ecken in Europa. Hat aber irgendwie was J. Die Gegend ist richtig schön und es gibt viele kleine Restaurants und Läden, in denen man gut seine Zeit verbringen kann. Letztes Wochenende war ich mit meinen Mitbewohnern in Wicker Park. Freitags sind Sara, Delphine, Fabian und ich zu einem Pub Crawl dort gegangen, der von einem Couchsurfer aus Chicago "gehosted" wurde. Keiner kannte sich und trotzdem hatten wir einen supertollen Abend! Unser Host zeigte uns verschiedene Bars (es gab sogar Kölsch!) und irgendwann entschlossen wir uns alle zusammen noch zu einem anderen Couchsurfing Event zu fahren. Einer Hausparty. Es war richtig cool und wir haben die verschiedensten Menschen aus verschiedensten Ländern kennengelernt, manche waren nur fürs Wochenende hier, auf der Durchreise, aus Nachbarstädten oder kommen aus Chicago. Am nächsten Tag sind Delphine, Pepa und ich ein bisschen durch die Läden in Wicker Park gegangen und haben eine total süße Craft Fair besucht. Danach sind wir zu einer Sunset Rooftop Party gegangen, die jemand über Couchsurfing organisiert hatte. Ohne allzu große Erwartungen standen wir dann 5 Minuten zu früh vor der Tür des Gastgebers (muss so sein, ich bin ja schließlich deutsch), der uns total nett empfing und uns in sein Appartement einlud. Und hallelujah, was war das? Ein total moderner Mega-Loft. Und der Rooftop hat noch eins draufgesetzt! Wir kamen die Treppen hoch und mir hat es wirklich fast den Atem verschlagen - der Ausblick war so so wunderschön!! Wir konnten die komplette Skyline sehen und hatten hinter uns den Sonnenuntergang. Nach und nach kamen noch mehr Couchsurfer und schon bald war der ganze Rooftop gut gefüllt. Bei Bier und Nachos habe ich mich mit den verschiedensten Menschen unterhalten: mit Karla, die aus Mexiko kommt und hier als Aupair arbeitet, mit David, der erst vor kurzem von einem Auto mit 70 mph angefahren wurde und seitdem alle seiner vorderen Zähne vermisst, mit einem Couchsurfer aus Chicago, der deutschen Rap liebt und mir Songs von Sido und Fler vorgespielt hat, und vielen mehr. Danach sind wir alle zusammen in die Beauty Bar gegangen - eine Bar in der man tanzen, trinken und sich gleichzeitig die Nägel machen lassen kann. Normal feiern geht hier nicht J. Am Sonntag haben wir Besuch bekommen von Melissa und Paula, unseren World-Horizon Mitfreiwilligen, die jetzt in Michigan leben. Wir hatten einen richtig schönen Tag in Downtown, der (natürlich) mit einer Deep Dish Pizza endete.

Und auch bei Little Brothers wurde es diese Woche nicht langweilig. Wir waren auf einem Fishing Trip, der mehr aus Essen und Karten spielen bestand als aus Angeln. Außerdem habe ich ein paar Senioren zum Little Brothers Movie Club abgeholt, bei dem wir hier erst ein Lunch hatten (inklusive Sweet Potato Pie.. yuuum) und dann einen Film geguckt haben. Natürlich gab es für die Elders auch Popcorn J.

 Mit den Elders hat man hier die unterschiedlichsten Gespräche. Von der bevorstehenden Präsidentschaftswahl, über das Altern bis hin zu Themen, bei denen man leicht schmunzeln muss - Senioren sind manchmal knallhart und nehmen wirklich kein Blatt vor den Mund. So erzählte mir doch eine Seniorin, dass sie im Internet ein Bild von einer nackten Michelle Obama gesehen hätte. Allerdings mit männlichem Geschlechtsteil. Sie hätte dann panisch ihre Freundin angerufen, die sich daraufhin auch das Bild angeschaut hat und fast in Ohnmacht gefallen wäre. Ich erzählte ihr dann, dass es ja Photoshop gäbe und das Bild bestimmt nicht echt wäre. Da war sie doch sehr erleichtert und meinte dass sie es sich auch nicht hätte vorstellen können, dass Obama einen Transsexuellen liebe. Nun gut. Mit einer anderen Seniorin kam ich auf Gefängnisse in den USA zu sprechen und da sagte sie mir irgendwann, dass die Prison Inmates meistens ganz schön heiß aussehen wenn sie aus dem Gefängnis kommen. Weil sie da ja so viel trainieren. ("Those inmates.. like damn. When they get out of prison, they be looking real nice. With their muscles all over, uhhh."). Ich schlug ihr dann vor einen Ausflug ins nächstgelegene Gefängnis zu machen, da mussten wir dann beide sehr lachen. Eine andere Seniorin erzählte uns von ihrem früheren Job. Sie war Krankenschwester und musste auch mal bei einer Obduktion dabei sein. Sie sagte dass der Mann der da auf der Trage lag total gutaussehend gewesen wäre.. aber ja leider tot! Manchmal kann man sich auch nicht so sicher sein, ob es wirklich wahr ist was die Elders einem so erzählen. Eine Seniorin erzählte uns zum Beispiel, dass sie so viel abgenommen habe weil sie jeden Tag 80 Meilen in 4 Stunden gelaufen wäre. Wir mussten drei mal nachfragen, weil wir dachten wir hätten sie falsch verstanden. 80 Meilen sind 128 Kilometer. Also drei Marathons hintereinander innerhalb von 4 Stunden. Wir guckten dann etwas ungläubig, aber weil sie so fest davon überzeugt war, haben wir dann nur genickt und ihr einen kleinen Applaus gegeben. Außerdem fragten wir sie ob sie uns denn irgendwann mal beibringen könne wie das geht! Und immer wieder gibt es diese süßen Momente mit den Elders. Von einem meiner Senioren, der sehr schwach ist und im Rollstuhl sitzt, bekam ich zu unserem ersten Treffen Komplimente und einen Handkuss. Ein anderer schwärmte von einem Pizzarestaurant in dem er seit Jahrzehnten nicht mehr war und wollte mich dort unbedingt mal einladen. Und mir Geld für die Autofahrt geben! Eine bettlägerige Seniorin ist ein großer Fan der Chicago Cubs und will mir nächstes Mal auf jeden Fall die Baseball-Spielregeln beibringen. Eine andere Seniorin kann ein bisschen deutsch und nennt mich seit unserem ersten Treffen ihre Schwester. Hach.. es ist so schön. Manche Elders sind von Anfang an zuckersüß, andere wiederum haben wirklich eine harte Schale. Aber man merkt irgendwie trotzdem, dass ihnen der Besuch etwas bedeutet.

 

Meine "Trainingswochen" sind jetzt zuende, das heißt, dass ich ab Montag alle meine Besuche und Ausflüge selber planen und alleine durch die Stadt fahren muss. Und das ist wirklich gar nicht so einfach. Die Leute fahren hier teilweise als gäbs kein Morgen mehr und bei den Schlaglöchern auf den Straßen Chicagos tut einem das Auto richtig leid. Ich hoffe das wird alles klappen! Ich werde berichten J.


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Von Festivals, Cheeseburgern und Männern in Hühnerkostümen

VON Festivals, Cheeseburgern und Männern in Hühnerkostümen

03. September

Mittlerweile bin ich seit fast 2 Wochen in Chicago und erzähle euch mal was ich so erlebt habe! Letzten Samstag war ich mit meiner Mitbewohnerin Sara (die allerdings im Appartement nebenan wohnt) in Downtown. Später kam Fabian noch dazu und wir sind zum Millennium Park gegangen, in dem auch das Cloud Gate steht. Das ist eine verspiegelte Skulptur vor dem gefühlt jeder Tourist ein Foto macht. Die Skulptur ist aber auch wirklich schön, weil sich einerseits der grüne Park und andererseits die Hochhäuser der Stadt spiegeln. Wir haben uns dann an den Jay Pritzker Pavilion (eine große Bühne direkt im Millennium Park) gesetzt, da dort die letzte Aufführung des Chicago Dancing Festival stattfinden sollte. Das Beste daran: Es ist komplett umsonst! Jeder kann dorthin kommen und sich die Aufführung anschauen. Die meisten Leute haben dafür auch alles mitgebracht was einem so in den Sinn kommt: Campingstühle, Kühltruhen, Tische inklusive Tischdecken und sogar Lichterketten. Total cool! Die Aufführung war auch richtig schön, es wurden viele verschiedene Tänze gezeigt: von Ballett zu Street Dance bis hin zu sowas wie modernem Tanz bei dem sich die Tänzer irgendwie ganz komisch über mehrere Tische gezogen und dabei hektische Bewegungen gemacht haben. Sara und ich fanden das ehrlich gesagt ein bisschen gruselig, aber jeder hat ja seinen eigenen Geschmack J.

Am Sonntag war ich im Union Park, der nur 5 Minuten zu Fuß von unserem Appartement entfernt ist. Dort gibt es einen großen Pool, für den man keinen Eintritt zahlen muss! So hab ich also am Sonntag noch ein bisschen Sonne getankt. So oft wie die Leute aus Chicago uns vor dem fiesen Winter hier warnen, fühlt man sich fast gezwungen noch so viele Sonnenstrahlen wie möglich abzukriegen J.

Am Montag war ich tagsüber mit Pepa unterwegs und wir haben ein paar ihrer Elders besucht. Wir waren mit einer Dame einkaufen, die die Mitarbeiter des Supermarkts wirklich durch den Laden gejagt hat damit sie ihre Einkaufsliste abarbeiten. Die Mitarbeiter nahmen es aber mit Humor J. Auf dem Weg zurück zur Wohnung der Dame erzählte sie uns, dass sie früher jeden Tag High Heels getragen hat und sehr viele Männer in ihrem Leben kennengelernt hat. Ihr Alter wollte sie uns allerdings nicht verraten. Wenn sie danach gefragt wird, antwortet sie grinsend nur mit einem "I lie!". Nach einem Lunch bei iHop (Pancakes!) haben wir noch eine andere Dame besucht, die in einem Nursing Home wohnt. Das war der erste Besuch bei dem mir nicht ganz so wohl war. Das Nursing Home sah relativ heruntergekommen aus und die Senioren lagen dort auf sehr engem Raum zusammen. Der Dame brachten wir zwei Cheeseburger und zwei kleine Apple Pies mit, da sie die super gerne isst (allerdings nur die von McDonalds!). Sie aß die Cheeseburger so unglaublich schnell auf, dass wir Angst hatten sie würde sich verschlucken. Wir erfuhren dann auch warum sie sich so beeilte: Sie wollte die Burger nicht mit ihrer Mitbewohnerin teilen und wollte daher alles essen bevor die Mitbewohnerin mitbekommt dass wir etwas zu essen mitgebracht hatten. Sie sagte uns mehrere Male, dass wird doch einfach sagen sollen, dass wir nur einen einzigen Cheeseburger gebracht hätten. Dann wäre ihre Mitbewohnerin nämlich nicht so beleidigt. Wir erklärten ihr, dass es vielleicht nicht die feine Art sei die Mitbewohnerin zu belügen, aber das ignorierte die Dame sehr gekonnt. Auch von dem Vorschlag einfach einen Cheeseburger abzugeben hielt sie nicht sehr viel. Besagte Mitbewohnerin war dann trotzdem sauer auf uns alle und legte sich trotzig mit dem Rücken zu uns auf ihr Bett. Die beiden zankten sich noch ein bisschen, teilten im Endeffekt dann die Apple Pies miteinander und schienen wieder versöhnt. Mit gutem Gewissen konnten wir die beiden also dann verabschieden und da war der Arbeitstag auch schon rum. Abends war ich dann mit Pepa und einer ihrer Freundinnen bei einem Thailänder essen, wo jeder einfach seine eigenen Getränke mitbringt. Dazu werden von der Bedienung noch Gläser und ein Eimer voller Eiswürfel gereicht. Verrückt oder? Die Party, auf der wir danach waren, war auch nicht weniger verrückt. Man konnte dort Chicken Wings essen, die von Männern in bunten Hühnerkostümen serviert wurden. Dazu lief Electromusik. Jaja, die Amis... J.

Am Dienstag bin ich mit Anne, einer weiteren Freiwilligen bei Little Brothers, zu einem Senior Center gefahren, um einige ihrer Elders zu besuchen. An dem Tag wurde der Jahrestag der Gründung des Centers gefeiert und so konnten Anne und ich mit den Senioren des Centers eine Anniversary Show genießen, die aus einer Frau am Klavier und vielen alten Liedern bestand. Die Senioren hatten richtig Spaß, bewegten sich im Takt der Musik oder sangen sogar mit. Bei Songs wie "Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini" lachten sie sich auch mal schlapp und klatschten in die Hände. Am Ende wurde, so wie es sich in Amerika gehört, natürlich noch ein patriotisches Lied angestimmt. "God Bless America". Die Amerikaner lieben ihr Land wirklich abgöttisch. Überall sieht man die amerikanische Flagge: an Häuserwänden, Handgelenken, Badeshorts.

Am Mittwoch fand eine große Labor Day Party hier im Little Brothers Gebäude statt, zu der wir einige Senioren abholten. Außerdem waren Sara und ich für die Blumenvasen zuständig. Wir haben die Blumen so toll geschnitten, dass wir doch glatt über eine Karriere im Blumenbusiness nachdachten. Während der Party spielte eine Band und es wurde ein Drei-Gänge-Menü serviert, welches komplett vom Peninsula Hotel in Chicago geliefert und gesponsort wurde. Die Stimmung war super und die Senioren hatten sichtlich Spaß. Abends bin ich dann nach Downtown gefahren, um mich mit Kalina zu treffen, die ich vorher über Couchsurfing kennengelernt hatte.

Am Donnerstag und Freitag war ich dann mit meinen PC's Karacan und Vicky unterwegs, das sind quasi meine Supervisor. Da habe ich dann schon ein paar der Elders kennengelernt, die ich in den nächsten Monaten regelmäßig besuchen werde. Eine der Elders erzählte mir zum Beispiel, dass sie Actionfilme mag, also werden wir wohl so bald wie möglich einen anschauen! Karacan wollte mir unbedingt noch eine Dame vorstellen, die sie selber besucht. Die Frau hat sehr starke Demenz und wirkte etwas abwesend während unseres Besuchs. Allerdings hat sie immer ein Lächeln auf den Lippen und musste manchmal selber schmunzeln wenn sie etwas nicht mehr wusste. Als wir dann ihre Lieblingslieder auf dem Handy gespielt haben, hat sie gesungen wie ein Profi und kannte jede einzelne Textzeile. Das war unglaublich und für mich einer der bisher schönsten Momente hier. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen! Freitagnachmittag habe ich dann meine neue Mitbewohnerin und Arbeitskollegin Delphine am Flughafen abgeholt. Der Weg zum Flughafen war trotz Umstieg zum Glück doch gar nicht so schwer wie ich dachte! Abends haben wir alle zusammen gekocht und ich kann nur sagen, dass ich mich sehr auf die kommende Zeit mit meinen Mitbewohnern freue!

Am Samstag ging es für Kalina und mich dann aufs North Coast Music Festival, welches im Union Park stattfand. Ich konnte also hin- und wieder zurücklaufen ohne einen Bus oder die Bahn zu nehmen (Luxus!). Das Festival war super und leider ging der Tag viel zu schnell zu Ende. Ich habe dort das erste Mal in einer Silent Disco getanzt. Man bekommt am Eingang Kopfhörer, über die man die Musik hören kann, die vorne von den DJs gespielt wird. Setzt man die Kopfhörer aber ab sieht es aus als würden die Leute etwas wahnsinnig und wild um einen herumspringen.

Heute sind Sara, Delphine und ich am Hafen entlang spaziert und haben uns an den Strand gelegt. Danach haben wir noch ein Jazz-Konzert im Millennium Park angeschaut (umsonst!) und sind dann nach Hause gegangen. Da morgen Labor Day ist und wir den Tag frei haben, haben wir uns entschieden diesen Tag sehr sinnvoll zu nutzen: Zum Shoppen J.

Ich habe wieder viel erlebt und wieder viel geschrieben. Ihr müsst ja auch nicht alles lesen, Fotos gucken ist ja auch schön J. Ich bin sehr glücklich hier in Chicago und freue mich über jeden Tag den ich hier sein darf. Meine Arbeit sehe ich gar nicht als Arbeit an, ich mache es einfach gerne! Und die süßen Sachen, die ich bis jetzt schon von den Senioren zu hören bekommen habe, reichen ganz locker für meine Motivation der nächsten Monate J

 

P.S.: Ich habe jetzt eine amerikanische Handynummer! Über die deutsche könnt ihr mich also erst wieder in einem Jahr erreichen.


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